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Höchste Eisenbahn

Auch wenn es nach den ersten Fieberphantasien vom Börsengang der Deutschen Bahn erheblich stiller um dieses unsinnige Unterfangen geworden ist – wir wissen um die Geduld und Unausrottbarkeit der Dunklen Seite der Macht.

Denn auch wenn Grube gegenwärtig sich weit vom Börsengang entfernt fühlt, hat seine angefügte Aussage “Die Zeit kommt wieder, dann reden wir darüber” einen unverkennbar bitteren Geschmack. Dennoch steht das Thema der Bahnprivatisierung gerade nicht im Mittelpunkt des politischen Geschehens. Nichtsdestotrotz brachte mich ein Gutachten aus dem Jahr 2008, welches von Ländern und Kommunen in Auftrag gegeben wurde, auf die Spur. Die Kernfrage des besagten Gutachtens, wie die Folgen einer Bahnprivatisierung für den Fernverkehr wären. Die Auflistung selbiger ließ mich gelinde gesagt zusammenzucken. Visuell sehe dies so aus:

bahnbörse
Die roten Punkte stehen leider nicht für kommunistische Eisenbahnerzellen, sondern für jene Städte deren Fernverkehrsanbindung in den nächsten zehn Jahren nach der Privatisierung gekappt werden würde. Dunkelgrün steht im übrigen für jene Städte bei denen dies schon im Jahr 2000 geschah.

   
Nochmal in Worten: Potsdam,Trier, Emden, Schwerin, Paderborn, Mülheim, Ludwigshafen, Pforzheim, Cottbus, Gießen, Konstanz, Kempten, Ravensburg, Brandenburg a.d. Havel würden mittelfristig vom Fernbahnnetz abgekoppelt!

Das mag jetzt noch sehr absurd und übertrieben klingen, aber bedenken wir, wie die Bahnsituation noch vor 10 oder 20 Jahren war, und ob wir uns den derzeitigen Ist-Zustand damals hätten vorstellen können. Bevor wir also in der Zukunft nur zwischen steril-labilen  Hochgeschwindigkeitszügen wählen können, sollten wir wachsam sein und aktiv werden. Leider gibt es im Internet viel zu wenig Plattformen, die sich diesem Thema verschrieben haben (muss man denn alles selber machen?!).

Für grundlegende Basisinformationen und auf dem Laufenden bleiben hier nun die beiden Links: bahnvonunten (Gewerkschaftinitiative TRANSNET) und deinebahn (breites Aktionsbündnis gegen den jeglichen Bahnsinn).

Sibirische Kraftpakete

Angesichts des verweichlichten Zustands in dem sich gegenwärtig unsere Deutsche Bahn befindet, welche nur im Falle idealster klimatischer Bedingungen ächzenderweise den selbstauferlegten Notbetrieb aufrecht erhalten kann, sei hier mal ein Blick in den fernen Osten Russlands gestattet (Quelle hierzu und noch mehr!). 43 Waggons können bei ihrem eindrucksvollen Weg auf der Strecke von Komsomolsk nach Sowjetskaja Gawan begutachtet werden.

Die Route gehört zu eine der steilsten Eisenbahnetappen der Welt (mehrere 35o/oo-Rampen!) und der 400m lange Tunnel aus dem die kraftstrotzenden 3TE10s herausrauschen, ist, wie man unschwer erkennen kann, eine überaus knifflige Angelegenheit. Gut zu wissen, dass man seit 2008 an einem neuen Scheiteltunnel arbeitet. Siehste, Deutsche Bahn, so wird das gemacht!

Reisewarnung: Länder ohne Eisenbahn

Seit geraumer Zeit bastle ich nun schon an der elementarsten aller Listen – die der Länder ohne Eisenbahn. Damit hier keine unnötige Stöhnerei losgeht: Es ist mir bewusst, dass eine Liste dieser Ausführlichkeit in unseren schnellebigen Zeiten nachgerade anstößig ist. Ich möchte daher anmerken, dass nachfolgende, kommentierte Aufzählung als regelmäßig aktualisierte Nachschlagequelle zu verstehen ist. Also kein Druck!Grundlegende Basis für die Zusammenstellung ist die Arbeit unserer Schaffnerfreunde aus Langley, die die mit Abstand beste Auflistung aller Länder MIT Eisenbahn vorgelegt haben. Blieb mir, der ich hier eine Liste der Länder OHNE Eisenbahn (wohlgemerkt, wir sprechen von Personenverkehr!) präsentieren wollte, nur noch eine kurze Überprüfung der Daten sowie eine Ergänzung durch jene sympathischen Neueinsteigern ins Staatsgeschäft, welche vom CIA bis jetzt noch nicht berücksichtigt wurden.

Als da wären:

  • Abchasien (ein grundsolides Streckennetz von 221km und das mit einer Strecke, die sich sehen lassen kann. Liebe Freiheitskämpfer, wenn irgend möglich, bitte heil lassen!)
Nowi Afon (1989) nächster Bahnhof zu Stalins Lieblingsdatsche. Wäre doch ein Jammer drum!
  • Laos (auch wenn die Herren Agenten die Anstrengungen der kleinen Laoten nicht für ausreichend befanden, hier soll dies nicht geschehen. Seit März 2009 verfügt Laos über einen Eisenbahn-Anschluss nach Thailand. Ganze 3,5 Kilometer ist das Gleisstück lang und das ist noch nicht alles. Ein weiteres Bahnprojekt ist bereits in Planung einer Transit-Verbindung in Süd-Laos von der thailändischen (Savannakhet) bis zur vietnamesischen Grenze (Lao Bao), von wo die Weiterführung zum Hafen Da Nang geplant ist. Da ich angesichts des allgemeinen Niedergangs des Schienenverkehrs durch abstruse Flugmanager und andere ahnungslose Irre jedweden Zuwachs an Gleisen begrüße, möchte ich die Laoten herzlich willkommen heißen)
  • Singapur (auch hier möchte ich eingreifen und die Beurteilung des CIA verbessern. Zwar besitzt Singapur keine eigene Eisenbahn, wird aber regelmäßig durch die Malaysische Eisenbahn angefahren. Ich finde das gilt. Andernfalls hätte Berlin ja auch keine S-Bahn.
  • Vatikan-Stadt (obwohl ich erhebliche Bedenken habe, möchte ich mich dennoch dafür aussprechen, den Vatikan in diese ehrwürdige Liste aufzunehmen. Zwar gibt es keinen regulären Bahnverkehr, kein eigenes Personal oder Fahrzeuge, ja nicht einmal ein eigenes Streckennetz, doch einen Bahnhof hat man und dieser ist auch in Takt und wird genutzt.

Offene Fragen: Berg-Karabach (das ist doch ganz respektabel, dass nur bei einem Land definitiv Unklarheit besteht.Zwar findet man sehr oft die Aussage, dass die Konflikte vor Ort die Eisenbahnverbindungen unterbrochen hätten, dies ist aber nur ein schwaches Indiz für vorhandene Schienen, sagt aber nichts weiter aus. Zu erfahren ist ebenso, dass die Verbindung von Aserbaidschan aus wohl weiterhin unterbrochen ist, aber auch das war von vornherein klar, und klärt auch nicht, ob in Berg-Karabach Lokomotiven unterwegs sind. Höchstwahrscheinlich komm ich um eine persönliche Inspektion nicht herum.
Geklärt und in die Liste der Zuglosen verschoben.

 

Länder ohne Eisenbahn
  • Äthiopien (auch wenn es Pläne ohne Ende gibt – aktuell donnert kein Zug durch die äthiopischen Weiten)
  • Afghanistan (liest sich nicht gut an: im 19. Jahrhundert verweigert man sich dem Schienensegen weil die zwei Eisenbahnimperialisten England und Russland in der Gegend nicht gerade beliebt waren und man daher von den zwei ehernen Strängen nur Schlechtes vermutete. Dieser Verdacht sollte sich bestätigen. Denn abgesehen von den 1920ern, in denen man kurz mal eine Schmalspurstecke baute, die pünktlich mit Einsetzen 30er wieder verrottet. Doch erst als richtige Kriege in Afghanistan beginnen, kommt auch die Eisenbahn. Die Sowjets spendieren ein paar grenzüberquerende Verbindungen und schließlich auch komplette Vollbahnverbindungen (voraussichtlich Ende 2010 abgeschlossen!). Dennoch wird Afghanistan wohl länger diese Liste anführen, da besagte Strecke einzig dem Güterverkehr vorbehalten bleiben wird.)
  • Andorra
  • Antigua und Barbuda (ein trauriger Fall, augenscheinlich verfügt man über immerhin 77km Eisenbahnstrecke, verwendet sie aber ausschließlich um Zucker durch die Gegend zu kutschieren!)
  • Äquatorialguinea (als einziges spanischsprachiges Land Afrikas an sich ein indiskutabler Fall: hier sind Flug- wie Straßenverbindungen derart marode, dass wir über Schienen mal lieber gar nicht sprechen wollen)
  • Bahamas (wikipedia fabuliert hier von “topographischen Bedingungen”, die einen Eisenbahnbau unmöglich machen würden. Pah! Ich muss doch sehr bitten!)
  • Bahrain (bis jetzt noch kein Gleis in der Wüste, doch wie man vernehmen durfte, versucht die wetterfeste Deutsche Bahn nun von Bahrain nach Katar für schlappe 17 Milliarden eine Eisenbahn, bzw. ICEs zu installieren. Glaubt man jedem Gerücht oder rausgehauenen Vorhaben, dann geht die ganze Angelegenheit sogar noch weiter und soll zu einem Schienennetz führen welches 6 Golfstaaten miteinander verbindet, und zwar Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, VAE und Oman. Und das schon bis 2017 )
  • Barbados (mal wieder eine Fehlanzeige, obwohl es von 1900 bis 1937 mal Schienen gab)
  • Belize (schade, schade, schade. Eine britische Kolonie ohne Eisenbahn?! Nunja, zu Zeiten des Kolonialismus nicht. Goldene Zeiten der Dschungelbahn.)
  • Berg-Karabach (nach kurzem Telefonat mit dem freundlichen Reisebüro ASBAR kann ich nun aus erster Hand verlautbaren: Nein, hier gibt es keinen Zug der durch die Berge pfeift. Die Infrastruktur an sich macht so oder so einen problematischen Eindruck – nur einen Bus pro Tag von Jerewan nach Stepanakert und keinerlei ziviler Flughafen. Laut aufmerksamer Kommentatoren wissen wir nun, dass es hier einen modernen Flughafen gibt, allerdings immer noch ohne bestehenden Linienverkehr. Die Busanbindung zwischen Jerewan und Stepankert soll dagegen mehrmals täglich verfügbar sein.)
  • Bhutan (auch wenn ganz findige Kollegen uns eine Bahnreise nach Bhutan verticken wollen, es bleibt dabei: die Lhasa-Bahn fährt nicht über Bhutan!)
  • Burundi (obwohl dichtbevölkert wird den Menschen hier keine Eisenbahn zur Seite gestellt. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt – laut fahrplancenter.com existiert ein Plan einer “Linie von Bujumbura über Kitega nach Tansania. Die neue Strecke in 1435 mm Spur wird in Isaka an die Strecke Tabora-Mwanza anschließen [ebenso] ist  eine Zweigstrecke nach Ruanda vorgesehen”)
  • Botswana (leider kein Aprilscherz – am 1. April 2009 wurde der komplette Eisenbahnverkehr eingestellt, es sei denn man verkleidet sich geschickt als Kohle, Kupfer, Nickel, Soda, Salz oder Fleisch)  Eingestellt und wiederbelebt – seit Juni 2006 fährt wieder ein Zug aus Francistown (Simbabwe) nach Bulawayo (Botswana). Anfangs noch dreimal die Woche, aktuell zweimal die Woche.
  • Brunei
  • Cook-Inseln
  • Djibouti (auch wenn es eigentlich nur eine Strecke in Djibouti gab – die Route nach Addis-Abeba war in weiter Flur seit langer Zeit das einzige relevante Stück Eisenbahnverkehr. 2008 wurde diese Strecke gänzlich stillgelegt)
  • Dominica
  • Dominikanische Republik (auch hier ist gegenwärtig Zugverkehr nur möglich wenn man sich als Zuckerrohr verkleidet. Doch hoffentlich nicht mehr lang. Laut dieser Verlautbarung plant man eine Verbindung zwischen Santo Domingo und Santiago. Sollte der Startschuss erklingen, würden angeblich fünf Jahre später wieder Züge über Hispaniola rollen)
  • El Salvador
  • Fiji ( hier versucht uns der CIA dann doch mal ganz unverschämt eine reine Güterbahn unterzujubeln. Wo doch allgemein bekannt sein dürfte, dass diese allein für den Transport von Zuckerrohr zur Raffinerie in Lautoka bestimmt ist.) Aufgrund vehmenter Einsprüche seitens engagierter Kommentatoren kann Fiji von dieser Schandliste gestrichen werden. So etwas Schönes muss einfach gelten.
  • Gambia
  • Grenada
  • Guatemala (ein weiteres Land, welches sich in jüngster Zeit gegen die Eisenbahn wandte. Die Liste wird länger und länger…)
  • Guinea-Bissau
  • Guyana (mal wieder eine britische Kolonie mit eher unspaßiger Eisenbahnkultur: 187km Streckennetz, nur zum Erztransport)
  • Haiti (ein sehr mysteriöser Fall, verschiedene Quellen sind sich tatsächlich nicht sicher ob die 40km Netz noch genutzt werden. Dies ist aber offensichtlich nicht der Fall wie diese sehr lesenswerte Dokumentation schildert.)
Jim Knopf lässt grüßen! Wer hätte bei diesem Bild bitte auf Haiti getippt?!
  • Island
  • Jamaica (auch hier wieder das Phänomen der ausschließlichen Nutzung für den Gütertransport. Diesmal: Bauxit!) Endlich mal ein Befreiungsschlag! Jamaica verfügt seit diesem Jahr wieder über eine Eisenbahn für Menschen. Stolze 20km verkehrt die Bahn. Gratulation und weiter so! Und wieder löst sich Hoffnung in Fatalismus auf – seit dem 21. August 2012 stehen wieder Menschen ohne Verbindung auf den Bahnhöfen Jamaicas!)
  • Jemen
  • Jordanien (obwohl einstmals von spektakulären Eisenbahnrouten wie der Hedschasbahn durchzogen – aktuell scheint der Personenverkehr zum erliegen gekommen zu sein. Einzig für den Phosphattransport rollen Züge durch die Wüste.)
  • Kambodscha
  • Kapverden (bei solchen Inselgruppen ist man ja fast geneigt, es zu akzeptieren, dass man auf die Königin der Fortbewegungsmittel verzichtet, nur um dann zu erfahren, dass es auch hier mal eine Eisenbahn mit Windsegelantrieb gegeben haben soll. Das nenn’ ich Sportsgeist.)
  • Katar (s. Bahrain)
  • Kiribati
  • Komoren
  • Kuwait
  • Libanon (nichts, nicht und nochmal nichts. Noch nicht einmal einen fadenscheinigen Perspektivplan oder ähnliches. Dabei war hier mal einiges. Doch das hat sich alles der Krieg genommen. Einmal mehr schade. Erwähnenswert allein – die Existenz einer Straßenbahn in Beirut!)
  • Libyen (und hier jetzt aber mal ein ganz großes NOCH! Denn hier hat die Russische Eisenbahn einen Großauftrag an Land gezogen. Klingt irgendwie vielversprechender als die geplante Golfaktion der Deutschen Bahn. Schließlich will man noch in diesem Jahrzehnt über 3000 Bahnkilometer durch die Wüste ziehen. Besser als das 1912 von Italienern erbaute Schmalspurnetz kann es nur werden.)
  • Malediven
  • Malta (obwohl man schon 1883 begann, hielt man es auf Malta doch nicht länger als 1932 aus)
  • Marshallinseln (bei so einem “Land” bin ich ja schon leicht am zweifeln, aber da muss ich durch!)
  • Mauritius (über ein Jahrhundert gab es hier eine Eisenbahn. Spektakulär früh begann es im Jahr 1862, doch 1964 gellte der letzte Zugpfiff über die Insel)
  • Mikronesien
  • Nauru (hier war ich wirklich überrascht. Natürlich gilt’s wieder nicht, weil nur für Güter, diesmal Phosphat, aber das überhaupt auf diesem Inselchen mit seinen paar tausend Einwohnern 5km aktive Strecke aufzufinden ist. Respekt! Wäre damit wahrscheinlich weit vorne in der, anfangs von mir angedachten Kategorie Bahnkilometer pro Einwohner.)
Eine der Überraschungen dieser Recherche schlechthin – Eine Eisenbahn auf Nauru!
  • Nicaragua (ein relativ frischer Trauerfall ist in dem Land zu betrauern für das ich Jahre lang Altpapier und Flaschen sammelte. Seit 2006 fährt keine Eisenbahn mehr durchs Land und beendet damit eine über 130 Jahre alte Tradition. Doch es keimt Hoffnung auf: Die Vision des FERISTSA, einer 2500km langen Verbindung von Mexico nach Panama, spendet Hoffnung auf bessere Zeiten)
  • Niger
  • Nordzypern (erneut eine Insel ohne Eisenbahn. Doch dies war nicht immer so. Schenkt man diesen Ausführungen hier Glauben, ist uns Spätgeborenen da ein absoluter Leckerbissen entgangen.)
  • Oman (s. Bahrain)
  • Osttimor (obzwar ich für das Fehlen einer Eisenbahn genaugenommen keinen Beleg fand, gehe ich jetzt einfach mal davon aus. Gegenteilige Argumente werden jederzeit angenommen.)
  • Palästina (ähm, tja, also das liest sich so aus der Ferne mal wieder sehr kryptisch, die Sache mit Palestine Railways. Mit der Erlangung der Autonomie gründete man das ehemals ruhmreiche Unternehmen neu, doch wie es scheint nicht sonderlich erfolgreich. Damit “übernahm man theoretisch die Eisenbahn im Gaza-Streifen. Die Strecke ist ca. 50 km lang und reicht von der ägyptischen Grenzstation Rafah bis zur israelischen Grenzstation Erez. Die Strecke ist baulich teilweise verloren. Fahrzeuge gab es keine mehr. Der Eisenbahnverkehr wurde nie aufgenommen.” Klar, gibt dort unten ja Wichtigeres zu tun als ‘ne schmucke Eisenbahn aufzubauen.
  • Palau
  • Papua-Neuguinea
  • Paraquay (ein extrem trauriger Fall. Eigentlich war alles schon in Sack und Tüten – eine Strecke zwischen zwischen Asunción und Encarnación war greifbar nahe. Doch dann kam alles anders, sie folgenden Bericht. Doch ich leiste mir noch die Hoffnung, dass das nicht das letzte Wort war.) Dank Gerald Pribitzer wissen wir nun, dass dieses Debakel nicht länger deduldet werden muss. Paraquay ist aufgenommen in den ehrwürdigen Kreis der Bahnländer
  • Ruanda (auch hier ein “noch”, denn die lange gewälzten Überlegungen Ruanda an die Schienennetze Ugandas usn Tanzanias anzuschließen, sind anscheinend langsam spruchreif. Bis 2013 soll die etwa 450 Kilometer lange Verbindung zwischen Kigali und Isaka fertiggestellt sein. Wir drücken die Daumen! Ein Anschluss an die legendäre TAZARA, welcher auch lange im Gespräch war, steht gegenwärtig aber leider nicht zur Debatte.)
Aktive Schienenwege auf dem Schwarzen Kontinent – der geschulte Experte erkennt nach längerem Hinsehen schwache Verweise auf die koloniale Vergangenheit einiger Länder.
  • Salomonen
  • Samoa
  • San Marino (was evtl. einzig das Resultat penibler Aufzählungsgeilheit erwecken könnte, ist durchaus nicht so absurd wie es scheint. Tatsächlich war San Marino von 1932 bis 1944 per Schiene an Rimini angeschlossen. Dies ist übrigens mehr als beachtlich, da man hierfür auf etwas mehr als 30km 639 Höhenmeter überwinden musste.) Ein weiterer Schandfleck kann dank eines aufmerksamen Lesers beseitigt werden. Der Zwergstaat ist endlich wieder an die Schienengrundversorgung angeschlossen.
  • São Tomé und Príncipe
  • Seychellen
  • Sierra Leone
  • Somalia
  • Somaliland
  • St. Lucia
  • St. Vincent und die Grenadinen
  • Südossetien (ohja, die Lage im osteuropäischen/russischen Raum garantiert beileibe keinen Eisenbahnanschluss. Zwar endet in der Hauptstadt Zchinwali eine Schiene aus dem georgischen Gori. Auf jener findet aber schon seit Jahren kein Verkehr mehr statt. Allerdings gibt es Pläne Zchinwali an das Netz der Russischen Eisenbahnen anzubinden. Hierzu wäre eine 149 km lange, gänzlich neue Strecke von Zchinwali nach Wladikawkas in Nordossetien mit vier Tunneln zu bauen. Und ich sag jetzt einfach mal: bis es dazu kommt, sind da noch ein paar andere Sachen auf der Tagesordnung.)
  • Südsudan (Newcomer im Staatenspiel und dennoch keine Eisenbahn – für mich keine wirkliche Unabhängigkeit!)
  • Surinam (das geheimnisvolle Ländchen am Haaransaatz Südamerikas macht die Verifizierung nicht unbedingt einfach. Offensichtlich liegen Schienen in Surinam, immerhin 121km, doch was auf ihnen geschieht, klingt nebulös. Die knappen Aussagen reiche jedoch von “wohl außer Betrieb”,  “keine funktionierende Eisenbahnverbindung” (wikipedia). Also gehen wir mal davon aus, dass es eher unwahrscheinlich ist, in Surinam mit dem Zug zu fahren.)
  • Togo (trotz über 100jähriger Eisenbahngeschichte und einem beeindruckenden Schienennetz von weit über 500km – 1999 wurde das gesamte Netz für den Personenverkehr deaktiviert)
  • Tonga
  • Trinidad und Tobago (ein weiteres Aufgeberland: 1968 beendete man hier den Schienenverkehr. Allerdings werkelt man nun an einem Wiederaufleben der Eisenbahn. Jedoch weit entfernt von Baubeginn oder einem, wenigstens angedachten Fertigstellungstermin, sieht mir das Ganze dann doch nach wunderschönen Wolkenpalästen aus.)
  • Tschad
  • Tuvalu
  • Vanutau
  • Vereinigte Arabische Emirate (VAE) (s. Bahrain)
  • Westsahara (natürlich zuglos. Klarer Fall, denkt man. Ist ja prinzipiell auch richtig. Doch in Anbetracht der Überraschung, dass auf dem Gebiet der Westsahara nicht nur Schienen liegen, sondern diese sogar befahren werden und das auch noch vom längsten Erzzug der Welt, möchte ich den Ehrenpreis eindeutig in die Wüste schicken!)
Erz – Sand -Bahn: ein heißer Anblick!
  • Zentralafrikanische Republik
  • Zypern (s. Nordzypern)

Fazit: Wie jedem aufgefallen sein dürfte, habe ich bei der vorliegenden Liste so relativ jeden aufgenommen, der auch nur im Ansatz so etwas wie staatliche Souveränität ausgehüstelt hat. Die UNO geht bspw. von lächerlichen 193 Staaten aus, die FIFA dagegen von 208. Ich entschied mich als alter Harmoniker zwischen diesen beiden Ansagen zu vermitteln und erkenne gegenwärtig 205 Staaten an. Zur UNO-Liste habe ich mal sämtliche 12 “nennenswerten” umstrittenen Territorien hinzugezählt. Selbstverständlich bin ich jederzeit bereit, jegliche Spalterei zu akzeptieren, solang dabei nur ein weiteres Eisenbahnnetz rausspringt. Andernfalls bin ich da eher ein Freund großer Imperien und gigantischer Unionsrepubliken.

Prinzipiell ergab die Recherche nichts sonderlich Überraschendes. Von Vorteil für eine funktionierende Eisenbahn ist Lage in Europa (Andorra, (Nord)Zypern, Island, Malta und San Marino sind hier die einzigen Außenseiter) oder britische, bzw. russische Kolonialvergangenheit. Von Nachteil ist definitiv Insellage und politische Instabilität. Abseits dieser Indikatoren ist der Trend weg von der Eisenbahn nach dem Zweiten Weltkrieg allgemein bekannt und tritt auch in dieser Liste klar zu Tage. Dies führt zum gegenwärtigen Stand von arlamierenden 63 von 205 Ländern ohne Eisenbahn.

Fast ein Drittel aller Staaten verzichten gegenwärtig auf das beste Fortbewegungsmittel der Welt. Zeit zum Handeln! Doch wo anfangen? Oder ist Eisenbahnentwicklungshilfe gar der falsche Weg?! Macht es vielleicht mehr Sinn bestehende Eisenbahnstrukturen zu erhalten und zu verbessern. Damit dieses funkelnde Vorbild  die von Monobuskulturen verprellte Nachbarschaft neidisch macht und auf Ideen bringt?! Fragen über Fragen, die hier nicht beantwortet werden können und sollen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

PS: Ach, und vielen Dank, liebe Schnulliseite bahn.fernweh.doof, dass du auch zum abwegigsten Land mit der verlockenden Aussage, alles über “Bahnhöfe, Verbindungen, Tickets und Fahrkarten zu wissen, wobei du selbst bei gestandenen Eisenbahnnationen nicht sonderlich viel zu Wege brachtest. Dank dir war die Recherche ein Stück weit nervender als sie hätte sein müssen.

PSS: Ernsthafter und unverbrüchlicher Dank aus tiefster Seele geht an die Jungs (und irgendwie vermute ich einfach, dass es sich um Jungs handelt) von seat61. Obwohl das Ganze natürlich schon gewissermaßen eine Werbeveranstaltung ist und man den Pfundkurs ständig präsent haben muss, ein wundervolles Nachschlagewerk zum Internationalen Eisenbahntum. 

Geschrieben vonBerlin, Berlin, Germany.

Ode an die Eisenbahn II

Als ich vor kurzem voller Begeisterung über jenes unverhofft gefundene Schmuckstück, welches den osteuropäischen Eisenbahnen gewidmet war, berichtete, war mir irgendwie klar, dass eine solche Leidenschaft in den Weiten des Netzes nicht singulär vor sich hin lungern wird. Und wenig später stolperte ich über einen virtuellen Eisenbahnschrein, der mich förmlich elektrisierte. Unter markusworldwide.ch findet sich ein überbordendes und liebevoll zusammengestelltes Bouquet der Schienenliebhaberei. Und selbstverständlich steht  hierbei erneut Osteuropa im Vordergrund, denn wo wenn nicht abseits der zugrunde zivilisierten und sterilisierten westlichen Wertegemeinschaft lässt sich noch Eisenbahnkultur mit Charakter finden.Obwohl das Angebot hier weit über Osteuropa hinaus geht. Neben beeindruckenden Bildern aus China sind ebenso faszinierende Impressionen aus Indien, der Schweiz oder Kuba zu bestaunen. Doch den Schwerpunkt möchte ich aus bestimmten Gründen auf das tschechische Kapitel legen. Spektakuläre Erfolge der Eisenbahn haben sicherlich andere Länder zu verbuchen. Ob es das nie verhallende Fanal eines Zeitalters auf Gleisen (England), der Versuch mittels gigantischer Strecken mit der Unendlichkeit zu flirten (Russland) oder die Flucht in bizzar anmutende Geschwindigkeiten (Japan) sei – in dieser Hinsicht bietet der Rest der Welt mit Sicherheit entschieden mehr als das kleine Böhmen und das an es geschmiegte Mähren. Und dennoch. Eisenbahnfahren bei den Tschechen ist etwas ganz Besonderes. Ob es die tief in die böhmischen Dörfer und Berge versenkte (und die grundlegend umgestülpte) Eisenbahnkultur ist, die gelassene, schlitzohrige Gemütlichkeit eines Schwejks, der in jedem tschechischen Schaffner steckt oder schlicht und einfach die anheimelnde und beruhigende Wirkung die durch die teuflische Mischung des besten Fassbieres der Welt und dem besten Gulasch des Universums ausgeht?! Eine endgültige Entscheidung wird es hier wohl nie geben.  Doch das Gesamtkunstwerk ČD ist mit Sicherheit ein wesentlicher Bestandteil um all diese, jedes Mal in mir aufwallenden Gefühle, zu erklären. “Wer sich nach dem Besuch des goldenen Prags in die Provinz zu den Nebenstrecken Böhmens und Mährens aufmacht, wird kaum enttäuscht: Auf einem bislang weitgehend von Stilllegungen verschont gebliebenen Bahnnetz verkehrt eine Vielfalt an Lokomotiven und Triebwagen, die in Europa heute praktisch einmalig ist.” Sowie: “Eisenbahnromantik, welche andernorts seit Jahrzehnten schon verschwunden ist wie blumengeschmückte, besetzte Bahnhöfe, idyllische Haltepunkte, Stellwerke, Formsignale und Schrankenposten aus der K&K-Zeit sind bis heute fast überall in der Republik anzutreffen.” Zu diesem paradiesischen Zustand konnte es nur kommen, weil nichts auf die tschechische Bahn zukam:  “Die tschechische Regierung hat ihre Bahn bis heute von eigentlichen Schocktherapien wie Kahlschlag bei Strecken und Fahrplänen á la PKP verschont, auch wenn der tiefverschuldete Staat bereits in den vergangenen Jahren gezwungen war, tausende von Stellen bei der ČD zu streichen.”Auch wenn all dies schon genügen sollte, um jeden umgehend von der Tatstatur hinunter in die zugpfeifendröhnenden Täler Böhmens zu ziehen, so sei noch eine letztes Zitat gestattet: “Die Geräuschkulisse dieser Vehikel (gemeint sind die legendären Triebwagen auch Veteran’, ‘Žhavá trubka’ (glühende Röhre) oder schlicht ‘Dvaašedesátka’ – zweiundsechtzig genannt!) mit dem langsamlaufenden ‘Schiffsdiesel’ ist einmalig. Beim Anfahren wird der große Dieselmotor auch im Fahrgastraum deutlich hörbar und lässt zunehmend den ganzen Wagenkasten erzittern, ehe mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit der Diesel durch das Summen der Fahrmotoren übertönt wird, alles in allem ein uriges Fahrgefühl, das man erlebt haben muss! ” Ich denke wir haben uns verstanden, also bis gleich!Ach, und wer noch das absolute Leckerli in Sachen Eisenbahn mitnehmen will, der sollte den auf markusworldwide.ch dargebotenen Link des “Güterzugkursbuchs aller ČD Strecken” in jedem Falle genießen. Güterkursbücher?! Hatte ich schon angedeutet, wie begeistert ich von der Seite bin?! 

Transsibirisches Internet

Bleiben wir doch noch einen Moment bei der guten, alten Eisenbahn. Die Königin der genießbaren Routen ist diesbezüglich ohne jeden Zweifel die Transib. Die Durchquerung des riesigen russischen Kontinents ist mit 9288km auf 80 Stationen unbestritten ein Lebenstraum, den sogar der eine oder andere eingeschworene Autofahrer kennt. Leider schaffen es die wenigsten, sich diesen Traum zu erfüllen. Daher ist es doch schön, dass es nun möglich ist, die Strecke wenigstens virtuell abzufahren. Mittels Google Map können die bedeutendsten Höhepunkte der Strecke genossen werden, untermalt mit passender Literatur, Musik und natürlich dem Herzschlag jedweder romatischen Fortbewegung – Schienengerumpel!Ach, und André, heißgeliebter Besserwisser. Du hattest tatsächlich Recht, es handelt sich hierbei wirklich um die ganze Strecke, nicht nur die Höhepunkte. Was die ganze Angelegenheit natürlich nur noch – Achtung – abgefahrener macht! Aber, wie ich in geduldigsten Duktus letzten Freitag vor mich hin wiederholte, es sind dann doch keine 10 Tage bis Wladiwostock. Nicht mal von Berlin aus. Aber was kann es Schöneres geben als geminsam Recht zu haben. Auf jeden Fall bin ich heute Punkt 9:00 losgefahren. Mal sehen wie weit ich bis zum Feierabend komme.

Ode an die Eisenbahn


Es gibt ja so Momente in der denen man die Geschwätzigkeit und Grenzdebilität von Tante Internet ein wenig bedenklich findet. Ganz im Sinne des Leitsatzes dieses Blogs, dass alles Vor- und Nachteile habe, erscheint die neugewonne Freiheit, das eigene Wort ohne viel Mühe weltweit publizieren können, bisweilen als nicht rundweg begrüßenswert. Der Penetranz einer ungebremsten Welle von Mitteilungsbedürftigkeit und Profilierungssucht kann nicht jeder etwas abgewinnen oder gar einen Vorteil darin erkennen. Auch ich, der ich mich prinzipiell als großen Anhänger der Möglichkeiten des Internets begreife, möchte manchmal an der sichtbarer gewordenen Vielfalt der Einfalt des Menschengeschlechts verzweifeln. Doch die Vorteile der Massenkommunikation bestehen. Mitten im modderigsten Schlamm findet sich doch immer wieder ein leuchtender Diamant. So wiederfuhr mir vor wenigen Tagen einer jener seltenen Momente. Ich recherchierte friedlich für die nächste Wandertour und fragte hierzu Freund Google nach “Bieszczady Ukraine”. Flugs landete ich auf einer, mir bislang gänzlich unbekannten Seite, welche mir aufgrund ihrer Ausrichtung Tränen des Entzückens und der Fassungslosigkeit gleichermaßen in die Augen trieb. Eisenbahn und Osteuropa – ein teuflischer Mix, der mich schon seit Kindheitstagen elekrisiert. Dass wir uns hierbei quasi in den letzten Zügen befinden und schon unsere Kinder entweder im seelenlosen Hochgeschwindigkeitszug oder per Bus nach Prag oder Warschau fahren werden, macht die Angelegenheit für mich zusätzlich zu einer Herzenssache. Und nun stoße ich auf schienenstrang-nach-osten.de und könnte heulen vor Glück. All die eisernen Kumpane, die mir auf etlichen Reisen ans Herz gewachsen sind, wie sie sich durch die unaufgeräumte, gelassene Landschaft schieben, endlose Pausen an gott- und ideolgieverlassenen Haltepunkten – voller Sehnsucht klicke ich mich durch die Fotos und erfahre vom Spezialisten dabei noch viel Wissenswertes mit dem beim nächsten Ausflug die jeweilige Reisebegleitung malträtiert werden wird. Es sind Augenblicke wie diese, die all den Schund und jegliche ertragene Belanglosigkeit die das Netz einem Tag für Tag ins Hirn spült, vergessen macht. Denn der Umstand, dass ich in der Lage bin ein so spezielles Nischeninteresse durch ein paar Fingerbewegungen zu finden, rechtfertigt in meinen Augen das gesamte Internet. Und auch wenn das Ganze anscheinend seit 2003 nicht mehr aktualisiert wurde, ist es in jedem Fall einen Ehrenlink von mir wert.

Hochverehrte DB-Schaltermamsells!

Schon von jeher wart ihr mir ein beständiger Born des Unbehagens, inkompetent und dusselig wie ihr über die Jahre hinweg ein Spitzenprodukt Eisenbahn feilbotet, seid ihr in meinen Augen schon länger elementarer Bestandteil der großen Auto- und Flugzeuglobbyverschwörung, welche es zum Ziel hat, das Konzept der Schienstrangfortbewegung von innen heraus zu zersetzen und zu diskredititieren. So waren meine Ansprüche entsprechend niedrig als ich am frühen Morgen des ersten Tages von Zwanzigzehn in das verwaiste “Ticket Counter Office” hineinschwebte. Tatsächlich war es das erste Mal in meinem langen Bahnfahrerleben, dass nicht mal der Wurmfortsatz einer Schlange zu berücksichtigen war. Somit konnte ich mein unfassbar spontanes Ansinnen, dem hochgeschätzten Wrocław einen Kurzbesuch abzustatten, umgehend umsetzen. Dies sollte nach kurzer Verständigungsakrobatik auch gelingen (“ˈvrɔtswaf!”; “Hä?”; “Ähm… ja, Breslau bitte!”; “Ach, Wrotschlaw meinen Sie!”) und nachdem ich die Zumutung des Preises hinuntergeschluckt, die so obliagtorisch wie unangebrachten Reklamekapriolen abwehrte (“Schon mal über ‘ne Bahncard nachgedacht?”) stand ich kurz vor dem Fahrscheinerwerb. Und da hallte jene Frage, ja nachgerade Aufforderung in den leeren Raum, die mich dann doch ein wenig verwirrte: “Sie wollen ja sicher eine Reservierung. Am Feiertag ist es doch immer sehr voll!” Ja, nee, klar. Ich blickte kurz ins Rund, schaute hinaus in die gähnende Leere der Bahnhofshalle. Ich überschlug diese realexistierende Menschenödnis mit dem gewohnten, an den Bedürfnissen der bestehenden Menschensströme akkurat vorbeiberechneten  Angebot eines (!) täglichen Zuges gen Wrocław mit seinen stattlichen vier Waggons und entschied mich dennoch für ein souveränes: “Nein, danke!”, meinte jedoch: “Weiche von mir, du lernresistenter Service-Klon! Pack dich in deinen Kleinwagen und erstick im Stau, aber erzähl mir nix über Bahnfahren!”Wenig später ging ich äußerlich erstaunlich gefasst zum Bahnsteig, wartete die übliche Verspätung ab (schließlich hatte es ein paar Zentimeter geschneit!) und stieg in einen völlig leeren Waggon um alsbald sanft vom Gleisgerüttel in den Schlaf geschaukelt zu werden. In diesem Sinne: Auch im im neuen Jahr – Der Kampf geht weiter gegen die Ursurpatoren der Schiene!Photo (bzw. weiterführende Informationen) unter mikenagler.linkeblogs.de

Vom neuerlichen Treiben der Bahnmarodeure

Wer um die Bahnaffinität dieses Blogs weiß, noch dazu mit der Zusatzinformation bestückt ist, dass an selbiger Stelle Berlin eine nicht unbedeutende Rolle in wie zwischen den Zeilen spielt, mag sich in den letzten Monaten sacht gewundert haben, wo denn der ätzend-vernichtende Beitrag zum Thema S-Bahn-Desaster blieb. Nun, jener gärt sein geraumer Zeit in mir vor sich hin und wird bei Gelegenheit hier erscheinen um ohne mit der Wimper zu zucken alle Schuldigen anprangern und jegliche Missstände aufdecken. Aber solch ein bedeutendendes Thema will natürlich Weile haben. Bis dahin heizen wir uns erstmal mit der neuesten Schlagzeile aus dem Hause der Schienenbeschmutzer an.So erwartbar wie dreist: Die Fahrpreise der Bahn werden bald zum dritten Mal in Jahresfolge erhöht. Und dies trotz gesunkener Energiekosten und einer Inflationsrate die nahe Null liegt. Entzückenderweise haben die Schaffnermeuchler ihre treuesten Kunden im Visier. Die “moderate kontinuierliche Anpassung” betrifft im Wesentlichen Netzkartenbesitzer (Preiserhöhungen um mehr als vier Prozent) und Reservierer (die Reservierung eines Sitzplatzes soll um um 25 Prozent – von 2 Euro auf 2,50 Euro – steigen). Nein, mal im Ernst, da köchelt der Eisenbahner in mir wild vor sich hin und der Fatalist fragt sich, warum man nicht gleich den Schienwolf entmottet, wenn man offensichtlich den Schienenverkehr in Deutschland diskreditieren und ruinieren will. Erste Bahn”reform”pioniere bei ihrem verabscheuenswerten Werk. (Photo: wikipedia)

Berlin Gesund

Für jemanden der das Leben auf der Schiene derart liebt, ist überhaupt nichts Ungewöhnliches daran, den zukünftigen Zug ein paar Tage vor der Abfahrt schon einmal zu begutachten. Letztlich war diese Inspektion auch von einer Spur Skepsis gewürzt. Denn der diesjährige Startbahnhof in ferne östliche Gefilde lautet Gesundbrunnen. Da der Zug also quasi aus dem Kiez abdampft, stand einem Spaziergang nichts im Wege und wenig später war ich mitten drin in der Plauderei mit den Herren Konduktory. Alles überhaupt kein Problem, sie haben nichts dagegen, dass ich demnächst mit ihnen fahren würde. Wunderschön. “Berlin Gesund” – derart subtil teilt Berlin seit einiger Zeit Europa sein Befinden mit.Etwas trübseliger wurde es erst, als ich im “Ticket Shop” der Deutschen Bahn das Ganze in trockene Tücher bringen wollte. Die Preisschere ließ mich mal wieder völlig entmutigt zurück. 90 deutsche Kilometer (23,80 €) vs. 620 polnische Kilometer (14,42€). Die Unverhältnismäßigkeit solcher eisenbahnvergrätzender Methoden ist Jahr für Jahr der entscheidende Tropfen der mein “Ich-muss-hier-raus-Fass” zum Überlaufen bringt.Doch als mein Herz noch nicht von pechschwarzen Vergeltungsplänen und unerbittlichen Umsturzphantasien erfüllt war, genoss ich die Stimmung des alten, wiederauferstandenen Fernbahnhofs Gesundbrunnen. Sicherlich derzeit noch auf allerniedrigsten Niveau. Aber dass jeden Abend Waggons nach Kiew und Kaliningrad aus dem Wedding rollen ist doch irgendwie schön.