Bahnmal21

Zu den jüngsten Vorfällen in Stuttgart muss hier kaum noch etwas hinzugefügt werden (s. etwa hier oder hier oder hier). Es kann kein Zweifel daran bestehen, das nichts und niemand, außer eventuell Mutter Natur, das Recht hat dergleichen Menschen zuzufügen.
Doch auch auf die Gefahr hin hier der Verharmlosung oder Ablenkung angeklagt zu werden, trifft mich bei der ganzen Sache etwas anderes noch viel mehr. Es ist ein weiterer Meilenstein in der Dekonstruktion des positiven Bildes Eisenbahn im Empfinden der Menschen. In der jüngeren Vergangenheit waren es allzu oft, ja fast ausschließlich Baumaßnahmen, die das anscheinend träge und sonst alles hinnehmende Volk aufregte. Ob Flughäfen, AKWs oder auf der anderen Seite ganze Dörfer, welche der Braunkohle geopfert werden sollten – radikale Veränderungen der Umwelt waren in den letzten Jahrzehnten vielversprechender um den tief schlummernden revolutionären Moment herauszukitzeln, als jegliche soziale Verschiebung oder fremdenfeindliche Schandtat. Nun ist es also ein Bahnhof, respektive Bäume, die ihm geopfert werden sollen, die ungeahnte Zorneswellen im, seit undenklichen Zeiten ruhigen Schwabenland auslösen. Reichten Fahrpreiserhöhungen, Verspätungen, Streckenstilllegungen und Bahnhofslandschaftsverödung nicht?! Versprachen selbstherrliche Unternehmenspolitik und schonungslose Schurigelung des duldsamen Fahrgasts nicht mehr den Kick um die Eisenbahn möglichst effektiv abzuwerten?! 
bahntod
Zumeist tendiere ich bei vergleichbaren Szenarien ja gern dazu Inkompetenz vor Mutwilligkeit zu setzen, doch irgendwie werde ich seit Jahren das Gefühl nicht los, dass in diesem Fall zumindest beide Komponenten aktiv sind. Das vereinte Handeln dieser beiden Kräfte ist von jeher eine teuflische Mischung, die letztlich schwer zu entwirren und so den im Hintergrund agierenden Strippenziehern zusätzliche Deckung bietet. Jedwede, hieraus folgenden Schlussfolgerungen müssen unweigerlich zu wütender Hilflosigkeit und fruchtloser Verschwörungstheoretisiererei führen. Oder aber auch zur Revolution! Es wäre schließlich nicht das erste Mal in der Geschichte, dass sie auf, mit und dank der Schiene begonnen hätte. Aber welch’ bizarre Fügung wäre es, wenn sie dieses Mal aus Stuttgart käme. Geschätzter Weltgeist, solltest du tatsächlich noch soviel auf dem Kasten haben?!  

Ein Gedanke zu „Bahnmal21“

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