Hochverehrte DB-Schaltermamsells!

Schon von jeher wart ihr mir ein beständiger Born des Unbehagens, inkompetent und dusselig wie ihr über die Jahre hinweg ein Spitzenprodukt Eisenbahn feilbotet, seid ihr in meinen Augen schon länger elementarer Bestandteil der großen Auto- und Flugzeuglobbyverschwörung, welche es zum Ziel hat, das Konzept der Schienstrangfortbewegung von innen heraus zu zersetzen und zu diskredititieren. So waren meine Ansprüche entsprechend niedrig als ich am frühen Morgen des ersten Tages von Zwanzigzehn in das verwaiste “Ticket Counter Office” hineinschwebte. Tatsächlich war es das erste Mal in meinem langen Bahnfahrerleben, dass nicht mal der Wurmfortsatz einer Schlange zu berücksichtigen war. Somit konnte ich mein unfassbar spontanes Ansinnen, dem hochgeschätzten Wrocław einen Kurzbesuch abzustatten, umgehend umsetzen. Dies sollte nach kurzer Verständigungsakrobatik auch gelingen (“ˈvrɔtswaf!”; “Hä?”; “Ähm… ja, Breslau bitte!”; “Ach, Wrotschlaw meinen Sie!”) und nachdem ich die Zumutung des Preises hinuntergeschluckt, die so obliagtorisch wie unangebrachten Reklamekapriolen abwehrte (“Schon mal über ‘ne Bahncard nachgedacht?”) stand ich kurz vor dem Fahrscheinerwerb. Und da hallte jene Frage, ja nachgerade Aufforderung in den leeren Raum, die mich dann doch ein wenig verwirrte: “Sie wollen ja sicher eine Reservierung. Am Feiertag ist es doch immer sehr voll!” Ja, nee, klar. Ich blickte kurz ins Rund, schaute hinaus in die gähnende Leere der Bahnhofshalle. Ich überschlug diese realexistierende Menschenödnis mit dem gewohnten, an den Bedürfnissen der bestehenden Menschensströme akkurat vorbeiberechneten  Angebot eines (!) täglichen Zuges gen Wrocław mit seinen stattlichen vier Waggons und entschied mich dennoch für ein souveränes: “Nein, danke!”, meinte jedoch: “Weiche von mir, du lernresistenter Service-Klon! Pack dich in deinen Kleinwagen und erstick im Stau, aber erzähl mir nix über Bahnfahren!”Wenig später ging ich äußerlich erstaunlich gefasst zum Bahnsteig, wartete die übliche Verspätung ab (schließlich hatte es ein paar Zentimeter geschneit!) und stieg in einen völlig leeren Waggon um alsbald sanft vom Gleisgerüttel in den Schlaf geschaukelt zu werden. In diesem Sinne: Auch im im neuen Jahr – Der Kampf geht weiter gegen die Ursurpatoren der Schiene!Photo (bzw. weiterführende Informationen) unter mikenagler.linkeblogs.de

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