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Frisch gegegessene Küchen: Georgien, Charlottengrad, Genazvale

Hiermit sei ein neuer, hoffentlich regelmäßig erscheinender Meinungskanal dem Peripheria-Universum hinzugefügt – die gepflegte kulinarische Umschau unter den Völkern Berlins. Ich bin mir bewusst, dass hierbei über Geschmack noch entschlossener gestritten werden kann als über Literatur, nichtsdestotrotz und obwegen nehme ich die Herausforderung an.

Den Anfang macht Georgien. Jenes von meiner Seite über alle Maßen begehrte Land im fernen Kaukasus. Alles was ich vorab las, begeisterte mich. Vielfalt in jeglicher Hinsicht. Kompositionen in Fleisch und Gemüse, die viel erwarten ließen. Hinzukommend eine gediegene Weinkultur und überhaupt. Daher war der Entschluss schnell gefasst einen Georgier aufzusuchen und das Ganze mal etwas mehr auf den Zahn zu fühlen. Ohne große Recherchen zu betreiben, war mir klar, dass ich zu diesem Zwecke zweifellos nach Charlottengrad müsste. Hier hat das gesamte sowjetische Kaleidoskop seit längerem seinen Brückenkopf etabliert und nicht bloß riesige Russenmärkte erschaffen wie in den neuesten Erwerbungen in den östlichen Jagdgründen Berlins. Es gibt wahrlich Schlimmeres als den endlich erwachenden Frühling bei einem genüsslichen Spaziergang am Schloss Charlottenburg entlang, zu begrüßen. Schließlich erreichten wir das Restaurant “Genazvale”  und ließen uns frohlockend nieder.

Die Ouvertüre des Menüs Tschanachi (v.l.n.r.): Catschapuri (Käsebrot), Lobio (Bohneneintopf), Kräuterteller, Mshawe (eingelegter Kohl mit roter Beete), Chartscho (Kalbsfleischsuppe) – nicht im Bild: der Ehrengast Tschanachi (Lammfleisch mit Auberginen und Tomaten)

Wir entschieden uns recht schnell für das Tschanachi-Menü und bekamen schnell und freundlich Speis und Trank gereicht. Es ging vielversprechend los. Salat, Kohl und Suppe waren überaus schmackhaft. Überall auf den Spuren von Koriander, alles frisch und knackig. Erste Minuspunkte kündigten sich bei Chatschapuri an, diese waren äußerst klein und mickrig. Nur eine Erinnerung an ihre großen Vorbilder im Mutterland. Doch der Tiefpunkt sollten die Chinkali werden. Hierbei handelt es sich eigentlich um feine Teigtaschen, deren Spitze man abbeißt, den Saft aus ihr trinkt um sich dann an dem Rest zu ergötzen. Dies war hier schwerlich möglich. Fad und klumpig kam der verkappte Vertreter dieser Köstlichkeit daher und ließ uns leicht enttäuscht zurück.Auch der Ehrengast – das Lamfleich im Tontopf – wusste nicht recht zu überzeugen. Zutaten wie Zubereitungen waren musterhaft und dennoch blieb es recht einfach gehalten, der Biss fehlte irgendwie. Der Verdacht blieb, dass man hier wohl, wie allzu oft den deutschen Geschmacksknospen entgegenkochte, doch das ist leider nur ein Verdacht und erst Recht keine Entschuldigung.

Letztendlich sei das Genzvale nicht komplett verrissen. Es handelt sich schließlich um ein freundliches und relativ preiswertes Lokal mit einer großen Auswahl an georgischen Spezialitäten. Der kulinarische Olymp georgischer Küche ist hier sicherlich nicht zu finden, aber dafür darf man ja auch gerne ins Mutterland besagter Küche reisen.