Tourilympics

Seit einer erklecklich langen Zeit gehört, dank U6-Unterbrechung, der Gang vom Bahnhof Friedrichstraße bis zum Bahnhof Französische Straße zu meinem täglich Brot. Es gibt weitaus Schlimmeres. Der Großteil der Strecke ist überdacht, unmäßig weit ist es auch nicht und gegen ein wenig frische Luft zwischendurch ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Wenn, ja wenn diese Strecke nicht zu den eruptiv mäandernden Touristenetappen gehören würde. Nun will ich hier keineswegs in den Chor jener ewig meckernden Großstadtneurotiker einstimmen. Aber nein, kommt weiterhin in Scharen. Erzählt euren vermögenden Erzeugern vom Charme dieser Stadt, kauft euch ein und saniert uns kaputt. Bitteschön. Aber das ist ein anderes Thema. Worum es mir geht, ist, ein wenig Struktur in euer Wandeln zu bringen.

Daher hier die sieben unerlässlichen Regeln zum erfolgreichen, und einzig wahren Berlin-Marathon.

1. Bleibt aus unerfindlichen Gründen plötzlich und unvermittelt stehen. Für die Endwertung ist hier Qualität entscheidender als Quantität. Ununterbrochenes Stehenbleiben ist zwar ganz okay, aber das abrupte Abbremsen im flüssigen Gang, mit Fühlnähe zum nächsten Verfolger ist eindeutig höher zu bewerten.

2. Macht Fotos! Gern verbunden mit der ersten Disziplin. Wert wird hier aber insbesondere darauf gelegt, dass ihr einerseits die abwegigsten Objekte (euch selbst, Edelboutiquen, Ampelmännchen etc.) ablichtet sowie andererseits, für besagtes Fotoshooting den Verkehr möglichst lange aufhaltet.

3. Habt alle Hände voll und schlenkert mit eben diesen möglichst selbstvergessen um euch. Die Standardausrüstung des Tourilethen besteht hier in einem Handy in der einen und einem schleimigen Kaffeemischgetränk mit halbherzig aufgepfropften Deckel in der anderen Hand. Variationen sind hier zahlreich und gern gesehen. Achtet bitte darauf, dass, solltet ihr mit den den selbstgewählten Spielelementen bei anderen Mitspielern Trefferpunkte erzielen, die Hauptschuld für dieses Ereignis dem jeweiligen Kontrahenten zugeschustert wird.

4.Traditionell handelt es sich um einen einen Parcours mit Gegenverkehr, also versucht auch hier ausreichend Treffer zu landen. Die oben genannten Mittel bieten hierzu jede Menge Spielraum. Doch hier muss nicht Schluss sein. Eine denkbar inkonsistente Wegführung, ausschweifende Gestikulation und unvorhersehbare Überholmanöver wenn der Flaschenhals am engsten ist, erzielen respektable B-Noten.

5. Versuch immer so langsam wie möglich zu laufen. Einzige Ausnahme: An roten Ampeln musst du unbedingt die Poolposition ergattern. Natürlich einzig mit dem Ziel bei Grün erneut so langsam und so spät wie möglich loszulaufen.

6. Laber laut, ununterbrochen und völlig enthemmt vor dich hin. Die Juroren werden es im Übrigen in jedem Fall honorieren, wenn dein Team weit über das Teilnehmerfeld verstreut ist und dennoch eine grundsolide Mannschaftsdiskussion über alle Köpfe hinweg stattfindet.

7. Fahr Fahhrad. Die Königsdisziplin für den erfahrenen Tourilethen. Solltest du obige Punkte fahhradfahrend erfüllen, ist dir der Sieg so gut wie sicher.

In diesem Sinne – Sport frei!     

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