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Die Welt ohne den besten Hund der Welt

Schluss. Aus. Vorbei. Am 15.2.2018 verlor ich einen Freund.

Sancho ist nicht mehr.

Sancho Pansa (* 18.9.2001, † 15.2.2018)

Und nein, ich möchte die narzistische und selbstreferentielle Jauchegrube namens Internet nicht um eine weiteren selbstmitleidigen Auswurf erweitern. Ich möchte hier vielmehr die Trauer umdrehen und diesem großartigen Hund ein Denkmal, nein ein Dankmal setzen. Genug Tränen raus und Whiskey reingeflossen – es war eine gigantische Zeit mit dem besten Hund der Welt! Lasst mich das Leben feiern!

Unauffällig und anspruchslos schlawienertest du unter meinen Knien durch mein Leben, so dass ich im Rückblick manchmal Mühe hatte, festzustellen, ob du überhaupt dabei warst. Genau die richtige Mischung aus skeptisch-distanziert und bedingungslos loyal. Keine Allüren, keine Macken – einfach ein ganz normaler Hund.

Und was hast du in diesen knappen 17 Jahren alles erlebt! Du hast mehr Berge erklommen als der Großteil einer durchschnittlichen Raterepublik überhaupt kennt, bist durch Flüsse und Meere geschwommen und hast mit Wölfen geheult. Bieszczady, Böhmen, Mala Fatra, Durmitor, der Ätna – um nur einige der schönsten Stationen zu nennen. Apropos Stationen: Eisenbahn! Der Muttermilch knapp entwöhnt, brachte ich dir schnell den Zauber des Schienenstrangs nahe. Fortan gehörte das sanfte Tam-Tam der Gleise zu deinem liebsten Wiegengeräusch. Der beste Hund der Welt kreuzte mit dem besten Verkehrsmittel der Welt quer durch den alten Kontinent. Doch neben all den Reisen warst du letztlich ein eingefleischter Stadthund. Genauer, eine richtiger Berliner Töle. Die verrauchten Kneipen des märkischen Molochs waren dir genauso vertraut wie die weitläufigen Parks. Auch Universität und Bibliothek waren selbstverständlicher Teil deines Reviers. Doch ein Hund wie du begnügte sich nicht mit einer Metropole: Dresden war zweifellos deine zweite Heimat. Dank massiver Arbeitseinsätze meinerseits lagerte ich dich unzählige Male hier bei meiner Mutter ab und obwohl ich nicht dabei war, weiß ich wie du dein Bestes gabst um Sachsen zu einer lebenswerten Region zu machen. Und schließlich kam dann auch noch die Liebe. Melana. Ein tapsiger Wolfsmischling aus den fernen Pyrenäen. Die Hingabe und Zuneigung war mit der du ihre Ohren Melanas auslecktest… Kinder bekamst du dagegen mit Zuma. Nennen wir es mal Zweckbeziehung. Den Freuden der Vaterschaft standest du jedoch zeitlebens ambivalent gegenüber. Schlussendlich fandest du sogar Eingang in die Literatur. Doch auch die Leiden des Lebens sollten dir begegnen. Schwere Hundekämpfe mit Nahtoderfahrung, ein Bandscheibenvorfall mit vollständiger Lähmung und die entwürdigende Demenz der letzten Monate.

Drei meiner großen Lieben in einem Bild: Vater, Tochter, Alte Försterei!

Was bleibt zu sagen? Danke für die großartige Zeit, für Stabilität, Liebe und Wärme. Und tschüss.

  • Wenn einer der geschätzten Mitstreiter noch tolle Fotos, speziell aus der frühen Zeit hat, immer her damit!

Posted from Kassel, Hesse, Germany.

Sechzehn Jahr, graues Haar

Heute vor 16 Jahren seufzte eine zarten Promenadenmischung namens Patita erleichtert auf als ihr ein kugelrundes braunes Fellknäuel entnommen wurde. Der beste Hund der Welt war geboren. Sancho, wie er bald genannt wurde, begleitet mich seither in steter Zuverlässigkeit und wenn ich zurückblicke, bin ich für fast jeden einzelnen Tag, den er an meiner Seite war, über alle Maßen dankbar.

Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass er mich solang begleitet und wir quasi gemeinsam ergrauen. Daher hier nochmals in aller Öffentlichkeit Danke dafür. Selbstredend auch an alle Betreuer, Sympathisanten und Gelegenheitskrauler. Und nun, hoch die Näpfe! Auf einen geruhsamen Lebensabend. 29 Jahre und 5 Monate gilt es zu schlagen. Dies ist der offizielle Rekord des Cattle-Dogs Bluey.

Zemfira

Vor nicht einmal zwanzig Jahren, zu ähnlichen  Jahreszeitumständen wie heute erreichte ich ein graues und desorientiertes Land mit dem Vorhaben hier länger bleiben zu wollen. Russland – Ende der 90er ein kaputtes und desorientiertes Land hatte ich mir für für mein Auslandsstudium auserwählt. Ich brachte die Hoffnung, wie so viele vor mir, mit zu verstehen. Ich kam um zu begreifen. Dieses riesige Land, seine Menschen, seine Seele. Insbesondere der Anfang war dann alles andere als leicht. Die Wirtschaft lag darnieder, der Zweite Tschetschenienkrieg dräute heran und ein allzeit trunkenener Präsident war auf dem besten Weg die ehemalige Weltmacht, diesen selbsterklärten Versuch einer besseren Gesellschaft zu einer Randnotiz der Geschichte zu degradieren.

Земфира – Блюз от kostyukovsky на Rutube.

Wie gesagt, ich hatte erhebliche Startschwierigkeiten damals im November im Schwarzerdegebiet. Einer der ersten und bedeutendsten Anker, die mich auf dem mir fremden und unwirtlich erscheinenden Kontinent festhielten, war schließlich die Entdeckung von Zemfira. Ihre klare Stimme, deren Inhalt ich schon nach kurzer Zeit voller Entzücken decodieren lernte und ihre Musik berührten etwas in mir und öffneten ein klein wenig dieses mächtig behäbige Portal in die inneren Verständniskreise Russlands. Fortan ließ mich Zemfira nie wieder los. Sie entwickelte sich genauso wie ich. Heute ist sie nun in Berlin und ich bin dabei. Ein Moment voller Melancholie und Erinnerungen, aber hauptsächlich voller entfesselter Lebensfreude!

Fünfzehn Jahr, graues Haar

2016-09-18-00-04-39Und dann war es auf einmal soweit. Der alte Mann hatte Geburtstag und ließ es noch einmal richtig krachen. Sprich: ein ruhiges Häuschen im Havelwald, ein paar derjenigen Zweibeiner, die er noch zweifelsfrei zuordnen kann, die lärmige Tochter und jede Menge Grillfleisch. Ein wenig überrascht wirkte er dann aber doch, als er Mitternacht sanft geweckt wurde und im Mittelpunkt der Party stand. Mit gelassener Anteilnahme wurde flugs der Geburtstagskuchen verputzt um sich darauf nach all dem Trouble wieder eine gehörige Portion Schlaf zu gönnen. Danke dem besten Hund der Welt für diese anderthalb Jahrzehnte. Auf die nächsten 15!

Zwischenbilanz

40 – zuversichtlich gesehen kurz vor der Halbzeit, düster interpretiert der Beginn des Lebensherbsts. Wie dem auch immer sei, auf jeden Fall bietet diese numerische Zäsur Gelegenheit um zurück zu blicken und einen kleinen Abgleich mit den Ansichten des Frühsommers dieses Lebens zu unternehmen.

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So denn:

Meinungen, die Veränderungen unterworfen waren

– die Weltrevolution gehört zu den elementaren und unvermeidlichen Ereignissen der näheren Zukunft
– Menschen über 40 ist prinzipiell nicht zu trauen
– feste Beziehungen (außer mit der Revolution) sind Teufelswerk
– Jazz und klassische Musik sind reine Zeitverschwendung

Ansichten, die dagegen Bestand hatten:

– die Eisenbahn ist das beste vom Menschen erdachte Fortbewegungsmittel
– das Zelt-Lagerfeuer-Ding ist die beste Form von Urlaub
– Hunde sind toll
– Fleisch, Bier, Milch und Brot sind die Säulen einer genussvollen Ernährung
– Nahmo ist weiterhin ein peinlicher Kackverein
– Bücher sind Freunde

Ich fasse zusammen: unterm Strich doch eine ganz akzeptable Entwicklung. Ich bin gespannt auf den kommenden Abgleich mit dem Lebenswinter.

Posted from Brezno, Banská Bystrica Region, Slovakia.

Je ne suis pas Karkoffelköter

Das Murren aus den unfruchtbaren Niederungen von Besorgtistan und den staubigen Ebenen der Nochsagendürfei haben wir alle vernommen. Doch wir lachten bestenfalls über Menschen die nach dichten Grenzen schrien, für Menschen versteht sich, nicht für Schwarzgeld. Kopfschüttelnd registrierten wir deren hysterische Aussagen darüber, dass Kriegsflüchtlinge kein Handy besitzen dürften, Steuerflüchtlinge dagegen schon. Dergleichen mehr Nonsense ertrugen wir mit einem immer stärkeren Unwillen, da schien die gequälte Warnung vor Überfremdung und möglichem Verlust unserer beutelgermanisch-christlichen Werte nur ein weiteres Puzzlestück aus dem populären Spiel “Mensch-heuchel-dir-einen”.

2016-04-21 15.39.35

Doch aktuelle Aufnahmen aus dem Wedding, einem der vielzitierten Ethnogettos, werden auch den letzten überzeugen: es ist soweit! Sie haben tatsächlich recht. Deutschland hat sich abgeschafft. Mitten am helllichten Tag sehen wir hier eine böswillige Karikatur unseres Osterhasen. Ein Kartoffelköter!!!! Armes Deutschland! Und wie um uns noch weiter zu verhöhnen noch nicht einmal zu Ostern, nein mitten zwischen den Jährchen (zwischen Ostern und Pfingsten). In der Tat ein an Symbolkraft kaum zu überbietender Angriff auf unsere Identität. Mit was müssen wir leidgeprüften Kulturträger noch rechnen? Was wird aus dem Pfingstochsen, der Zahnfee, dem gewissen Etwas und, natürlich mit der Leitgestalt des treudeutsch-christlichen Wesens, dem Weihnachtsmann? Gedanken die einen das Befürchten lehren. Daher skandiere ich mit den “Patriotischen Osterhasen gegen das Kartoffelelend” (POGKE) – nehmt die Eier in die Hand für das deutsche Vaterland!

Darf’s noch etwas Lammsalz sein?

2016-04-16 17.03.06

Am Wochenende begab es sich, dass ich mal wieder den über alle Maßen befruchtenden Inspirationen der neu entdeckten Genusszeitschrift nachgehen musste und ein wenig Lamm mit Salz verputzte. Im doppelten Wortsinne, versteht sich. Es war ein Erweckungserlebnis! Da fragt man sich doch wirklich warum uns die deutsche Sprache nur mit so Sachen wie entzückend ausgestattet hat. Ich jedenfalls bin vollends versälzelt. Der steinharte Salzmantel führte letztlich zum zartesten und geschmacksintensivsten Lamm was ich seit langem genießen durfte. Die vier Kilo Salz, die man hierfür braucht machen zwar einen gewissen verschwenderischen Aspekt aus, aber jut, mal kann man das schon machen. Speziell bei diesem Resultat. Schauen wir mal, welches Stück Fleisch demnächst versalzen wird…

π soll sie leben

Heute ist ist der offizielle Feiertag der Kreiskonstante Pi. Ein kurzer Blick auf den Kalender erklärt dies ziemlich überzeugend. Laut Tante Wikipedia wird der Pi-Tag “traditionell mit dem gemeinsamen Verzehren von runden Kuchen begangen (im Englischen wird der griechische Buchstabe π lautgleich wie das englische Wort pie, Kuchen, ausgesprochen)” . Das sollte doch machbar sein. Außerdem bin ich so frei zu diesem Kaffekränzchen noch die passende Begleitmusik zu stiften: Viel Spaß bei dem Folgenden und verschwendet einen kurzen Moment der  Andacht an die Kraft des menschlichen Geistes, auch in Anbetracht eines bisweilen eher gegenteiligen Eindrucks jenes viel gerühmten Verstandes.


Ach, das ist übrigens noch längst nicht alles hier auf eurem “Gute-Nachrichten-Kanal”. Gerade eben ist die ESA-Sonde Exomars erfolgreich ins All gestartet. Und irgendwie wirkt die lebensfeindliche Atmosphäre des Mars’ auf einmal deutlich anziehender als früher.

Zum Frauentag

Nun endlich wieder die richtigen, einzig wahren Blumen zum Feiertag. Lange glaubte ich sie endgültig verloren. Machte Tulpenschwemme wie Rosenflut verantwortlich für ihr unerklärliches Ausbleiben. Nun hat der Rote Wedding sich dann doch noch einmal auf seine ehemaligen Kernkompetenzen besonnen und ein paar wunderschöne Nelken aus dem Ärmel gezaubert. Viel waren auch nicht mehr im Angebot. Kaum auszumachen hinter all den kunterbunten Tulpen und langstieligen Rosengewächsen.

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Daher soll dieser Blumengruß zum Internationalen Ehrentag auch hier geteilt werden und allen  Frauen gewidmet sein. Die meinen kriegen sie natürlich in echt, doch all die anderen dürfen sich voller Inbrunst auf dieses nahezu lebensechte Abbild stürzen. Hoch sollt ihr leben!