Schlagwort-Archive: Festtage

Sechzehn Jahr, graues Haar

Heute vor 16 Jahren seufzte eine zarten Promenadenmischung namens Patita erleichtert auf als ihr ein kugelrundes braunes Fellknäuel entnommen wurde. Der beste Hund der Welt war geboren. Sancho, wie er bald genannt wurde, begleitet mich seither in steter Zuverlässigkeit und wenn ich zurückblicke, bin ich für fast jeden einzelnen Tag, den er an meiner Seite war, über alle Maßen dankbar.

Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass er mich solang begleitet und wir quasi gemeinsam ergrauen. Daher hier nochmals in aller Öffentlichkeit Danke dafür. Selbstredend auch an alle Betreuer, Sympathisanten und Gelegenheitskrauler. Und nun, hoch die Näpfe! Auf einen geruhsamen Lebensabend. 29 Jahre und 5 Monate gilt es zu schlagen. Dies ist der offizielle Rekord des Cattle-Dogs Bluey.

Zemfira

Vor nicht einmal zwanzig Jahren, zu ähnlichen  Jahreszeitumständen wie heute erreichte ich ein graues und desorientiertes Land mit dem Vorhaben hier länger bleiben zu wollen. Russland – Ende der 90er ein kaputtes und desorientiertes Land hatte ich mir für für mein Auslandsstudium auserwählt. Ich brachte die Hoffnung, wie so viele vor mir, mit zu verstehen. Ich kam um zu begreifen. Dieses riesige Land, seine Menschen, seine Seele. Insbesondere der Anfang war dann alles andere als leicht. Die Wirtschaft lag darnieder, der Zweite Tschetschenienkrieg dräute heran und ein allzeit trunkenener Präsident war auf dem besten Weg die ehemalige Weltmacht, diesen selbsterklärten Versuch einer besseren Gesellschaft zu einer Randnotiz der Geschichte zu degradieren.

Земфира – Блюз от kostyukovsky на Rutube.

Wie gesagt, ich hatte erhebliche Startschwierigkeiten damals im November im Schwarzerdegebiet. Einer der ersten und bedeutendsten Anker, die mich auf dem mir fremden und unwirtlich erscheinenden Kontinent festhielten, war schließlich die Entdeckung von Zemfira. Ihre klare Stimme, deren Inhalt ich schon nach kurzer Zeit voller Entzücken decodieren lernte und ihre Musik berührten etwas in mir und öffneten ein klein wenig dieses mächtig behäbige Portal in die inneren Verständniskreise Russlands. Fortan ließ mich Zemfira nie wieder los. Sie entwickelte sich genauso wie ich. Heute ist sie nun in Berlin und ich bin dabei. Ein Moment voller Melancholie und Erinnerungen, aber hauptsächlich voller entfesselter Lebensfreude!

Fünfzehn Jahr, graues Haar

2016-09-18-00-04-39Und dann war es auf einmal soweit. Der alte Mann hatte Geburtstag und ließ es noch einmal richtig krachen. Sprich: ein ruhiges Häuschen im Havelwald, ein paar derjenigen Zweibeiner, die er noch zweifelsfrei zuordnen kann, die lärmige Tochter und jede Menge Grillfleisch. Ein wenig überrascht wirkte er dann aber doch, als er Mitternacht sanft geweckt wurde und im Mittelpunkt der Party stand. Mit gelassener Anteilnahme wurde flugs der Geburtstagskuchen verputzt um sich darauf nach all dem Trouble wieder eine gehörige Portion Schlaf zu gönnen. Danke dem besten Hund der Welt für diese anderthalb Jahrzehnte. Auf die nächsten 15!

Zwischenbilanz

40 – zuversichtlich gesehen kurz vor der Halbzeit, düster interpretiert der Beginn des Lebensherbsts. Wie dem auch immer sei, auf jeden Fall bietet diese numerische Zäsur Gelegenheit um zurück zu blicken und einen kleinen Abgleich mit den Ansichten des Frühsommers dieses Lebens zu unternehmen.

image

So denn:

Meinungen, die Veränderungen unterworfen waren

– die Weltrevolution gehört zu den elementaren und unvermeidlichen Ereignissen der näheren Zukunft
– Menschen über 40 ist prinzipiell nicht zu trauen
– feste Beziehungen (außer mit der Revolution) sind Teufelswerk
– Jazz und klassische Musik sind reine Zeitverschwendung

Ansichten, die dagegen Bestand hatten:

– die Eisenbahn ist das beste vom Menschen erdachte Fortbewegungsmittel
– das Zelt-Lagerfeuer-Ding ist die beste Form von Urlaub
– Hunde sind toll
– Fleisch, Bier, Milch und Brot sind die Säulen einer genussvollen Ernährung
– Nahmo ist weiterhin ein peinlicher Kackverein
– Bücher sind Freunde

Ich fasse zusammen: unterm Strich doch eine ganz akzeptable Entwicklung. Ich bin gespannt auf den kommenden Abgleich mit dem Lebenswinter.

Posted from Brezno, Banská Bystrica Region, Slovakia.

Je ne suis pas Karkoffelköter

Das Murren aus den unfruchtbaren Niederungen von Besorgtistan und den staubigen Ebenen der Nochsagendürfei haben wir alle vernommen. Doch wir lachten bestenfalls über Menschen die nach dichten Grenzen schrien, für Menschen versteht sich, nicht für Schwarzgeld. Kopfschüttelnd registrierten wir deren hysterische Aussagen darüber, dass Kriegsflüchtlinge kein Handy besitzen dürften, Steuerflüchtlinge dagegen schon. Dergleichen mehr Nonsense ertrugen wir mit einem immer stärkeren Unwillen, da schien die gequälte Warnung vor Überfremdung und möglichem Verlust unserer beutelgermanisch-christlichen Werte nur ein weiteres Puzzlestück aus dem populären Spiel “Mensch-heuchel-dir-einen”.

2016-04-21 15.39.35

Doch aktuelle Aufnahmen aus dem Wedding, einem der vielzitierten Ethnogettos, werden auch den letzten überzeugen: es ist soweit! Sie haben tatsächlich recht. Deutschland hat sich abgeschafft. Mitten am helllichten Tag sehen wir hier eine böswillige Karikatur unseres Osterhasen. Ein Kartoffelköter!!!! Armes Deutschland! Und wie um uns noch weiter zu verhöhnen noch nicht einmal zu Ostern, nein mitten zwischen den Jährchen (zwischen Ostern und Pfingsten). In der Tat ein an Symbolkraft kaum zu überbietender Angriff auf unsere Identität. Mit was müssen wir leidgeprüften Kulturträger noch rechnen? Was wird aus dem Pfingstochsen, der Zahnfee, dem gewissen Etwas und, natürlich mit der Leitgestalt des treudeutsch-christlichen Wesens, dem Weihnachtsmann? Gedanken die einen das Befürchten lehren. Daher skandiere ich mit den “Patriotischen Osterhasen gegen das Kartoffelelend” (POGKE) – nehmt die Eier in die Hand für das deutsche Vaterland!

Darf’s noch etwas Lammsalz sein?

2016-04-16 17.03.06

Am Wochenende begab es sich, dass ich mal wieder den über alle Maßen befruchtenden Inspirationen der neu entdeckten Genusszeitschrift nachgehen musste und ein wenig Lamm mit Salz verputzte. Im doppelten Wortsinne, versteht sich. Es war ein Erweckungserlebnis! Da fragt man sich doch wirklich warum uns die deutsche Sprache nur mit so Sachen wie entzückend ausgestattet hat. Ich jedenfalls bin vollends versälzelt. Der steinharte Salzmantel führte letztlich zum zartesten und geschmacksintensivsten Lamm was ich seit langem genießen durfte. Die vier Kilo Salz, die man hierfür braucht machen zwar einen gewissen verschwenderischen Aspekt aus, aber jut, mal kann man das schon machen. Speziell bei diesem Resultat. Schauen wir mal, welches Stück Fleisch demnächst versalzen wird…

π soll sie leben

Heute ist ist der offizielle Feiertag der Kreiskonstante Pi. Ein kurzer Blick auf den Kalender erklärt dies ziemlich überzeugend. Laut Tante Wikipedia wird der Pi-Tag “traditionell mit dem gemeinsamen Verzehren von runden Kuchen begangen (im Englischen wird der griechische Buchstabe π lautgleich wie das englische Wort pie, Kuchen, ausgesprochen)” . Das sollte doch machbar sein. Außerdem bin ich so frei zu diesem Kaffekränzchen noch die passende Begleitmusik zu stiften: Viel Spaß bei dem Folgenden und verschwendet einen kurzen Moment der  Andacht an die Kraft des menschlichen Geistes, auch in Anbetracht eines bisweilen eher gegenteiligen Eindrucks jenes viel gerühmten Verstandes.


Ach, das ist übrigens noch längst nicht alles hier auf eurem “Gute-Nachrichten-Kanal”. Gerade eben ist die ESA-Sonde Exomars erfolgreich ins All gestartet. Und irgendwie wirkt die lebensfeindliche Atmosphäre des Mars’ auf einmal deutlich anziehender als früher.

Zum Frauentag

Nun endlich wieder die richtigen, einzig wahren Blumen zum Feiertag. Lange glaubte ich sie endgültig verloren. Machte Tulpenschwemme wie Rosenflut verantwortlich für ihr unerklärliches Ausbleiben. Nun hat der Rote Wedding sich dann doch noch einmal auf seine ehemaligen Kernkompetenzen besonnen und ein paar wunderschöne Nelken aus dem Ärmel gezaubert. Viel waren auch nicht mehr im Angebot. Kaum auszumachen hinter all den kunterbunten Tulpen und langstieligen Rosengewächsen.

wp-1457442164558.jpg

Daher soll dieser Blumengruß zum Internationalen Ehrentag auch hier geteilt werden und allen  Frauen gewidmet sein. Die meinen kriegen sie natürlich in echt, doch all die anderen dürfen sich voller Inbrunst auf dieses nahezu lebensechte Abbild stürzen. Hoch sollt ihr leben!

Frische gelesene Bücher: Die große Jahresend-Comic-Revue

Die reizende Zeit zwischen den Jahren ist nicht nur der weltfernen Völlerei und psychosozialer Erholung gewidmet, seit einigen Jahren pflege ich es auch mich für diese Zeit mit einigen erlesenen Leckerbissen aus der Welt der Comics zu beglücken. Und, ja ich spreche weiterhin von Comics und nicht von graphic novels auch wenn einige diesen Titel verdient hätten, aber ist mir trotzdem irgendwie zu blöd. Einigen dieser Comics folge ich schon seit Jahren und gönne mir im Jahresrhytmus ein Update, andere erst seit kurzem wiederum einigen habe ich auf Empfehlung neu ins Sortiment aufgenommen. Nun ein paar abratende wie auch empfehlende Worte hierzu.

comics

Fangen wir mit Saga an, diese ausverschämt tolle Serie habe ich erst seit letztem Weihnachten im Programm und nach dem der erste Teil mich schon recht stark begeisterte, gönnte ich mir dieses Mal gleich zwei Bände und es war nichts geringeres als ein Durchmarsch in das Zentrum meines Jippieyeah-Organs. Eine Space Opera mit Fantasie, Selbstironie, völlig frischen Ideen, abgedrehten Charakteren und noch dazu traumhaft gestaltet! Nur unter absoluter Selbstbeherrschung und dank mangelnder Internetversorgung vermochte ich es nach Genuss des letzten Bandes nicht umgehend Nachschub zu ordern.

The Unwritten ist gleichauf gestartet. Auch dieses Comic begann ich letztes Weihnachten und entschied, dass es wert wäre, dieser Geschichte weiter zu verfolgen. Auch hier wurde meine Erwartung nicht getrübt wenn auch nicht derart euphorisiert wie von Saga. The Unwritten ist eine vielschichtige und liebevoll ausgefeilte Geschichte um Tom Taylor, seines Zeichens eine Figur ganz im Kulturraum von Harry Potter. Die Verwicklungen und Verschlingungen die aus diesem Sujet entnommen werden, bieten weit mehr als der erfolgreiche Jugendbuchklassiker. Es ist eine irrlichternde Reise durch die rutschige Welt der Identitätskonflikte und das ewig spannende Thema wie die Fiktion die Realität beeinflusst und umgedreht.

Revival ist in dieser Reihe der erste und erfreulicherweise auch letzte richtige Misserfolg. Wir sind mal wieder in irgendeiner Provinzstadt der USA und mal wieder geschehen irgendwelche grusligen Sachen mit Toten. Nunja… das Ganze erinnert an eine lieblose Aufguss von The Returned und wird von mir wohl eher nicht weiterverfolgt werden.

Fables dagegen schon. Hier handelt es sich zweifelsohne um einen beeindruckenden Neueinstieg. Vom Thema her erinnert es an die Thematik von Once Upon a Time, jedoch mit deutlich mehr Rock’n’Roll und knallhartem Witz. Es macht wahrlich Freude zu sehen, wie allseits bekannten Märchenfiguren hier wieder Leben eingehaucht wird. Da mag der eine oder andere einwenden, dass dies ja nun wirklich schon oft unternommen wurde. Mag sein, aber wenn es gelingt, ist einem weiteren Versuch gegenüber nichts einzuwenden.

Blankets war ein durchwachsenes Erlebnis. Als einziger Comic aus dieser Auswahl steht er für sich allein, daher muss ich mir der Frage: Dranbleiben oder nicht, erfreulicherweise nicht stellen.  Es handelt sich um die enorm persönliche Beschreibung von Kindheit und Pubertät eines Jungen in, na wo wohl, irgendeinem Provinznest in den USA. Die Geschichte ist gleichermaßen düster (Christentum, Borniertheit, Abgestumpftheit) wie auch wunderschön (erste Liebe in besagtem Sumpf). Dennoch hat es mich jetzt nicht wirklich begeistert. Vielleicht suche und brauche ich in Comics nicht derlei realitätsnahe Beschreibungen.

Und schließlich The Walking Dead! Kommen wir also zu den Klassikern und Langzeitgefährten. Aller Jubeljahre kommt ein veritabler Ziegelstein namens Kompendium heraus die ein gerüttelt Maß an Ausgaben der (offensichtlich) niemals enden wollenden Reihe der aktuell so erfolgreichen Zombiegeschichte enthalten. Ich war anfangs ja ein sehr großer Fan der Reihe und inhalierte alles aus diesem Universum. Seit den letzten Folgen der neuen Staffel bin ich ein wenig genervt. Es scheint mir alles so frustrierend. Dies mag jetzt etwas komisch klingen, aber ich brauch halt etwas Selbstironie und Banalität des Alttags um bei der Stange zu bleiben. Auch nach der Zombiekalypse. Dies hatte der Comic zwar mehr zu bieten als die Serie, dennoch war meine Motivation zum lesen eher gering ausgeprägt. Nichtsdestotrotz arbeiteten sich ganze drei Mitfeiernde durch den Ziegelstein. War also nicht umsonst mit auf der Hütte. Und ich werd’ mich schon demnächst daran gütlich tun.

Und nun zum finalen Höhepunkt jedes Jahres. Nunmehr zum siebten Mal durfte ich in diese Seiten des großartigsten Comic aller Zeiten greifen: The Sandman! Neil Gaiman, seines Zeichens auch Verfasser einer Reihe von (in beiderlei Sinne) fantastischen Romanen ist mit dem zehnbändigen Zyklus etwas gelungen was ich nicht im Ansatz beschreiben kann, außer dass ich jedes Jahr Danke sage und vor dem Grauen hoffe, wenn ich den letzten Band in meiner Hand halte.