Kommen wir nun zur wichtigsten Inventur des Jahres: Was gab es an Lektüre-Höhepunkten und was hätte man besser bleiben lassen können?
15497 Seiten und ganze 56 Bücher sind es letztlich geworden. Das liegt ein wenig unter dem Schnitt der letzten Jahre ist aber immer noch ganz ordentlich. Außerdem sagen diese Zahlen wie jedes Jahr auch herzlich wenig über die Qualität des Lesejahres aus, dafür muss man schon ein wenig tiefer schürfen und zurückdenken. Welches Buch hat denn den tiefsten Eindruck hinterlassen, bzw. an was erinnere ich mich überhaupt noch?
Ich erinnere auf jeden Fall noch an mein erstes Buch von Nino Haratischwili. Im Zuge des mir selbst auferlegten Projekts „Pro Land ein Buch“ und mit einer gewaltigen Winterpause im Rücken wagte ich mich endlich an eines dieser Bücher im Backsteinformat. Und ich war recht angetan. Kann man durchaus lesen.
Und dann hatte ich frei. Kein Land nusste erlesen werden, der georgische Winter dämmerte draußen vor sich hin und ich sprang in die „Chroniken von St.Maris“ von Jodi Taylor. Diese fesselten mich von Anfang an gehörig. Was konnte es besseres geben als einen düsteren und irrsinnig komische Buchreihe, die im weitesten Sinne im Zeitreisegenre herummarodiert. Ganze drei Bücher verschlang ich am Stück und bremste erst mit Frühlingsbeginn ab, da mich das Projekt „Pro Land ein Buch“ in aserbaidschanische Sphären beorderte. „Ali und Nino“ konnte eher so mittel begeistern, bestach aber zweifellos als kostbares Zeitdokument.

Dann kreuzten einige mehr oder weniger begeisternde Bücher meinen Leseweg. „Jürgen“ vin Heinz Strunk war wie alles von Strunk sehr gut. Ich freundete mich außerdem mit den Büchern von Hape Kerkeling an, doch den nächsten literarische Ausnahmemoment erlebte ich erneut dank des oben erwähnten Projekts. „Im Strom der Steine“ ist genau die Art von Büchern, die ich im Rahmen dieses Projekts unablässig suche. Geschichte auf Mikro- wie Makroebene, nebenher ein paar kulturelle Eigenheiten mitbekommen und das ganze in einer überzeugenden, packenden Handlung ohne allzuviel Schnickschnack. Genau so etwas hatte ich hier und war dementsprechend begeistert. Absolute Leseempfehlung!
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Und nach diesem Knaller setzte ich mit Aitmatows „Ein Tag länger als ein Leben“ noch einen drauf. So dachte ich damals zumindest. Aitmatow war in meiner Jugend einer meiner erklärten Lieblingsautoren und gerade dieses Buch hatte ich damals geliebt. Nun, war es beim zweiten Mal (und dieses Mal quasi vor Ort) keine Enttäuschung, aber das Buch zu or klang noch nach oder was weiß ich! Es löste auf jeden Fall nicht die Begeisterung in mir aus wie früher.
Als Vorbereitung auf den großen Lebenstraum Mongolei las ich dann „Die verbotene Reise“ von Peter Wensierski, die beeindruckende Beschreibung einer unglaublichen Reise – mitten im Kalten Krieg von Berlin in die Mongolei und dann noch weiter bis nach China. Quasi unsere Route, nur halt ein paar Jahre früher unter ganz anderen Bedingungen. Sehr inspirierend.

Im Leseherbst war der unbestrittene Höhepunkt wiederum ein Buch aus der Reihe der Weltreisebücher: Südkorea ließ mich zur „Vegetarierin“ greifen. Ein Buch, welches ich ohne dieses Projekt zweifellos nie in die Hand genommen hätte. Auf mehreren Perspektiven geht es hier rasant und frisch zur Sache. Gebannt las ich dieses Buch von der ersten bis zur letzten Zeile und war hinterher komplett überrascht von dem was ich hier genossen hatte. Genau genommen meine Lieblingsreaktion bei Büchern.

Eine letzte Empfehlung wäre noch zu erwähnen: „Im Schatten der Seidenstraße“ von Colin Thubron, ein Autor, den ich auf jeden Fall im Auge behalten werde, da ich stets auf der Suche in nach talentierten Reiseschriftstellern bin. Und um einen solchen handelt es sich bei ihm zweifelsohne. Ich nahm dieses Buch zur Hand als ich mich selbst zum ersten Mal auf der Seidenstraße wähnte. In Usbekistan. Da der Autor die Reise in umgedrehter Richtung unternahm, war es für mich etwas schwierig zu lesen. Wie auf dem Kopf stehend lesen. So gönnte ich mir Zeit und las (immer mal wieder) darin herum. Fast ein halbes Jahr brauchte ich dafür und kann abschließend meine unbedingte Leseempfehlung aussprechen.

Das beste Buch des Jahres: „Im Strom der Steine“
Das komischste Buch des Jahres: „Ich bin dann mal weg“
Das überflüssigste Buch des Jahres: „Japanische Mythologie“ von Maria Kulat (Finger weg! KI-Verdacht, unsägliches Geschreibsel ohne jeglichen Mehrwert)
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