Kommen wir ohne große Umschweife gleich zu den glorreichen Gewinnern dieses Jahres – die „Lange Nacht“ des DLF hatte sich schon letztes Jahr als hoffnungsvoller Neueinsteiger forsch herangewanzt. Es versteht sich irgendwie von selbst, dass regelmäßige Drei-Stunden-Sessions zu den unterschiedlichsten Themen im Jahresendergebnis sichtbar werden. Und auch wenn ich nicht jedes Thema mit der gleichen Begeisterung goutierte, im Durchschnitt war ich von den meisten Sendungen angetan und von vielen zumindest überrascht.
Außerdem auf einem überraschenden, zweiten Platz – wie Phönix aus der Asche (zum wievielten Mal eigentlich?) – das Kleine Fernsehballett!!! Diese schmuggelten sich hier natürlich etwas unverhältnismäßig weit nach oben da sie nach ihrem letzten Ausflug in die Bezahl-Podcastwelten sämtliche Folgen, die dort erschienen, nachträglich der freien Welt zur Verfügung stellten. Diese mussten dann natürlich nachgehört werden. Der zweite Platz geht aber prinzipiell in Ordnung, da ich den beiden schon ganz gerne zuhöre und sie sogar mit dem klebrigen Etikett „authentisch“ behängen würde (auch wenn Sarah immer mehr in, für mich uninteressante Abgründe des Reality-TV-Formats abgleitet).
Zum bronzenen Platz muss nicht viel gesagt werden. Zuverlässige, solide und informative Unterhaltung auf höchstem Nieveau seit Jahren, wöchentlich! Das muss ihnen erstmal jemand nachmachen! Was gibt es sonst noch so an Erwähnenswerten in der Top10?! „Fest&FLauschig“ bleiben weiterhin in Gratistan und damit auch weit oben in meiner Liste. Sie hätten noch weiter oben sein können, wenn sie nicht zwischendrin den Fees geändert haben. Genaugenommen wären sie knapp vor „GaG“. „Das war morgen“ robbt sich weiter nach vorn obwohl der Podcast Mitte des Jahres die Arbeit einstellte. Es gibt aber immer noch etliche Folgen, die ich nicht kenne und einige, die ich mir gerne noch einmal anhören würde. Man sieht sich also nächstes Jahr garantiert wieder.

Sonst keine großen Überraschungen außer einem gewissen, geschassten Radioeins-Moderator: Flake. Ja, ich kann die Folgen mittlerweile fast mitsprechen und ja, ich sehne mich unbändig nach einer Welt in der es möglich sein könnte, dass ein so sympathischer Mensch in der Öffentlichkeit weiter über Musik labern kann. Aber da die Welt ist wie sie ist, werde ich wohl auch im nächsten Jahr Flake hören und erst aufhören wenn ich jedes Lied hier komplett mitsingen kann.
Der Vollständigkeit halber werfen wir noch einen Blick auf das das restliche Verfolgerfeld. Noch deutlicher abgeschlagen als letztes Jahr die „Lage der Nation“. Woran liegt´s? Ja, ich gestehe, Interesse für die deutsche Tagespolitik fällt mir immer schwerer. Nicht gut, ich weiß. Ist aber so. „Alles gesagt“ hatte auch schon bessere Jahre und das liegt eindeutig mal wieder an der Gästeauswahl. Özdemir? Fitzek? Klingbeil? Und die ganze Politikerbagage im Zuge der Bundestagswahl, nein danke. Die letzte gute Ausgabe war die mit Hape Kerkeling und selbst in diesem Fall wurde mir eindeutig zuviel gelobhudelt und scharwenzelt.
16 Stunden und 52 Minuten folgte ich einer so wahnsinnigen wie wunderschönen Idee: Maria vom, großen Lieblingspodcastvulkan Pool Artists wagte sich an LOST heran, eine meiner allergrößten Lieblingsserien. Ich ahnte schon, dass sie schon bald die Lust an dem neuen Spielzeug verlieren würde und ließ mich dennoch voll darauf ein. Natürlich geschah was geschehen musste: Irgendwann in Staffel 2 war es dann plötzlich vorbei und ich stand allein mit ein paare fadenscheinigen Erklärungen mitten auf der Insel. Derlei Strohfeuer sind in der Podasterei nichts Ungewöhnliches. Dennoch. Überhaupt war es aus meiner Sicht nicht das beste Jahr für die sonst von mir über alle Maßen verehrten Poolartisten. Für mich trägt sich zum Beispiel das Format „Niemand wird verurteilt“ nicht völlig wenn man sich ganz auf das Beplaudern des Privatlebens beschränkt. Man merkte das sofort als die beiden sich beschlossen, in aller Ruhe die Liste der besten Filme des 21. Jahrhunderts zu besprechen. Aber auch „Gästeliste Geisterbahn“ habe ich erstmal auf´s Abstellgleis geschoben. Tatsächlich veränderte der Weggang von Donnie die Gesprächsmelange zu sehr als das ich weiter dabeibleiben wollte. Tscha, warten wir mal ab was das nächste Jahr so bringt. Offensichtlich machen sie ja jetzt auf Video…

Interessant ist natürlich auch noch die Ewige Tabelle. Hier gibt es ein paar sehr aufregende Neuigkeiten. Zum einen feiere ich hier mit gebührenden Respekt den ersten Podcast der die 10-Tage-Grenze meiner Aufmerksamkeit durchbrochen hat. Wer sollte es sonst sein außer den, oben bereits erwähnten, zuverlässigsten Lieferanten an Qualitätshörstoff. Außerdem einige neue Gesichter. Viele davon bereits erwähnt wie die „Lange Nacht“ und das „Kleine Fernsehballett“, sonst auch einige vertraute Kanäle wie „Eat, Read, Sleep“, „Extra3“ und „Hoaxilla“. Letztere vermochten mich in diesem Jahr übrigens auch immer seltener zu fesseln.

Schließlich wie immer noch der Blick auf sonstige, graue statistische Hintergrundinformationen, die das Bild ein wenig abrunden können. 42 Tage! 42 Tage??? Grundgütiger, anderthalb Monate widme ich diesem Medium? Das klingt doch schon langsam etwas besorgniserregend. Doch ein Blick auf die Überspringwerte zeigt, man kann quasi eine ganze Woche abziehen. Immer noch heftig, aber nunja, es gab viele einsame Straßen dieses Jahr.

Zur Einordnung hier nochmal die Verteilung meiner Hörgelüste auf die jeweiligen Medienhäuser und sonstigen Konsortien. Man sieht hier eindeutig einen Trend der letzten Jahre sich verstetigen. Im Endeffekt nur erstaunlich wie wacker sich die Unabhängigen weiterhin schlagen.

Neueinsteiger
Welt.Macht.China – selbstverständlich musste ich alle Ressourcen anzapfen um den Chinaplaneten nur ansatzweise zu begreifen. So auch Podcasts. Dieser hier ist solide produziert, thematisch sortiert und zumindest die Folgen die ich gehört habe, unterhaltsam gestaltet.
Absteiger
- Maria guckt: LOST
- Gästeliste Geisterbahn
- In Polen (leider bis auf weiteres eingefroren, da die verantwortlichen Korrespondenten nicht mehr aktiv sind)
Abgeschlossene Serien
Und wie immer, die große Welt der Themenpodcasts. Dieses Mal gab es da so einige Perlen zu bestaunen. Interessanterweise aber nur zu Jahresbeginn. Hier die reichlich bestückte Liste. Allesamt sowas von empfehlenswert.
- „Die Botschaft“ – spannender Podcast über die Botschaftsbesetzung 1990 in Tirana. Vielleicht das erste Schaf in einer deutschen Botschaft („wir wussten ja nicht ob wir dort etwas zu essen bekämen…“)
- „Becoming the Beatles“
- Plus Ultra – zu glatt geleckt und hochglänzend um an den Ursprungspodcast heranzukommen, dennoch hörenswert
- Das Hygiene-Museum hat endlich Podcasts entdeckt – ein weiterer Grund warum man nicht zurückkehren muss. Zwei Reihen gibt es bis jetzt: Das „Glückskarusell“ und das „Luftschloss“ – wie die Ausstellungen auch, gelingen hier herrlich kreuz und quer inspirierende Darbietungen. Eine absolute Empfehlung!
- Die neue Staffel „Seelenfänger“ behandelt erneut ein spannendes, bitteres Thema – die neue germanische Medizin
- Schon nach fünf Jahren tuckert die Aufarbeitungsmaschine langsam los: „Cut – das Virus das uns trennte“ – der WDR, kein unbedeutendes Beiboot in der Mainstream-Flottille legt mit diesem Format einfach mal los. Es gab schon eine Staffel zuvor über die Silvestervorfälle von Köln und wie diese in Folge begannen unser Land zu spalten. Beide Staffeln enttäuschten mich, da sie sich doch zu sehr in der Mikroperspektive aufhielten und die eigentlichen Geschehnisse zu beiläufig behandelten. Dennoch ein bemerkenswerter Anfang und ich bin gespannt, was für die dritte Staffel vorgesehen ist.
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