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Das Jahr 2018 in Büchern

Es sollte sich hoffentlich herumgesprochen haben, dass der Büchergenuss an dieser Stelle nicht mehr, wie viele Jahre zuvor, beschrieben, sondern seit geraumer Zeit besprochen wird. Das Test-Vehikel Podcast “Münzenberg” dient nach etlichen Probeläufen nun in verlässlichster Weise dazu, in gemeinsamer Runde über Bücher zu reden. So hat nun die ehrgeizige Suche nach einem Format hier nach etlichen Versuchen zurück zu eine meiner vermuteten Kernkompetenzen geführt. Das Gespräch mit anderen Literaturgourmets über Bücher, die jeder vom Namen schon einmal gehört hat, aber die wenigsten gelesen haben, bereitet mir zuverlässig Freude und ist neben Reisen und Alltagsbeobachtungen ein solides Standbein des peripheren Medienimperiums geworden. Doch auch wenn wir regelmäßig während des Podcasts über Bücher sprechen, die wir neben dem eigentlichen Star der jeweiligen Sendung gelesen haben, so fällt mir doch immer wieder auf, dass ich gerne über das eine oder andere besondere Buch, welches mich in diesem Jahr begeistert hat, ausführlicher sprechen möchte. Aus diesem Grund veröffentliche ich nun hier den Jahresrückblick um den beeindruckendsten Werke der letzten 12 Monate ein wenig Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Dank dem sozialen Medium für Leseratten goodreads (ich verhungere hier übrigens immer noch mit nur einem follower!) bleibt der Konsum wohl dokumentiert und ich schaue begeistert auf den Genuss von 30 Büchern in diesem Jahr zurück. Ein Blick zurück offenbart, absolute Reinfälle gab es dieses Jahr eigentlich nicht. Allenfalls einige Werke die mittels ihrer drögen Erzählweise den Genuss ein wenig geschmälert haben. Auffällig hierfür war beispielsweise Norman Davies “Die Blume Europas. Breslau – Wroclaw – Vratislawia”. Nach dessen mitreißenden Buch über die “Geschichte Polens” lag die Messlatte entsprechend hoch. Zu hoch offensichtlich. Möglicherweise habe ich das Buch falsch gelesen und es stellt einen großartigen Entwurf eines ausführlichen Nachschlagewerks über diese noch großartigere Stadt dar, doch ich weiß eben aus Erfahrung, dass beides möglich ist. Ein vor Fakten überquellender Wissenssteinbruch UND ein packend geschriebenes Stück Literatur. Dieses Buch aber ist nur eine lieblos zusammengestellte Chronologie mit einer ungeheuren Faktendichte, aber leider nur als regionale Enyklopädie nutzbar.

Recht ähnlich verhielt es sich aus meiner Sicht mit Herfried Münklers “Der Dreissigjährige Krieg”. Im großen Jubiläumsjahr erschienen erwartungsgemäß etliche Bücher zu eben jenem Thema. Mein Interesse war auch recht hoch und ich freute mich auf einige der Neuerscheinungen, unter anderem auch auf Münklers allumfassender Analyse. Auch meine erste Umfrage auf Twitter ergab, dass die werten Verfolger mir dieses Buch zur Sommerlektüre ans Herz legen wollten.


Glücklicherweise setzte ich mich über dieses Urteil hinweg und ersparte mir daher eine uninspirierte Aneinanderreihung von Altbekanntem, Zahlenwust und solider Geschichtshandwerkskost. Nein, dies war nichts aus der Kategorie mitreißender Geschichtswissenschaft. Und auch wenn ich weiß, dass Werke, die sich mit diesem Prädikat schmücken dürfen, dünn gesät sind, so weiß ich doch, es gibt sie.

Doch abseits dieser beiden Bücher war es das auch fast schon mit den Fehlgriffen dieses Jahr. Diese erstaunliche Quote mag durchaus auch an einer etwas rigideren Auswahl- und Abbruchpolitik meinerseits geschuldet sein. In Anbetracht meines zunehmenden Alters und der hierzu in direkter Beziehung stehenden absehbaren Begrenzung des noch zu lesenden habe ich deutlich weniger Geduld mit Büchern, die mich nicht fesseln und mitnehmen. Das mag ein wenig bequem klingen, aber ich habe mich in den letzten Jahren durch genügend Bücher gequält um einschätzen zu können, dass der zu erwartbare “Nutzen” solcher “Opfer” zumeist sehr begrenzt bleibt. Sprich: die wenigsten Bücher, die ich nicht mochte, haben mir dennoch etwas gegeben.

Ob es nun hieran lag oder einem glücklichen Händchen, auf jeden Fall kann ich über einige Bücher berichten, die überaus herausragend und horizonterweiternd waren. Von diesen soll im Nachfolgenden die Rede sein.

Beginnen wir beispielsweise mit einem historischen Sachbuch, welches es in meine n Augen richtig macht. Yuval Noah Hararis “Eine kurze Geschichte der Menschheit” sollte den meisten kein Unbekannter sein. Schließlich prangt dieser Roman seit längerem in den Auslagen der Buchläden. Es handelt sich hierbei in der Tat um einen lupenreinen Weltbestseller. Und auch wenn ich angesichts solcher Meriten in der Regel recht skeptisch bin, handelt es sich bei diesem Buch dann mal wieder um die viel besungene Ausnahme. Zumindest die ersten beiden Drittel glänzen durch erzählerisches Talent, erkenntnisberstende Darstellungen und zahlreiche pointierte Analogien, die den Blick auf den Menschen und seinen Weg durch die Jahrtausende neu justieren. Ich habe dieses Buch zu großen Teilen verschlungen und war mehr als einmal überrascht wie es dem dem Autor gelingt, mit leichter Hand fundamentale Sichtweisen der Geschichtswissenschaft zu zertrümmern und neu zusammen zu puzzlen. Ich muss einfach für gewisse Momente in diesem Buch den überhöht wirkenden Begriff der Horizonterweiterung verwenden. Zum Schluss baut das Buch leider etwas ab, da hier einerseits eine allzu lässige Verallgemeinerung und auch die ideolgische Ausrichtung von Harari spürbar wird. Nichtsdestotrotz über alle Maßen empfehlenswert und für mich das Sachbuch des Jahres. Dieses Buch gehört in jede Schule!

Aus dem belletristischen Bereich (und ja, dieser dominiert meinen Lesekonsum immer noch gewaltig) möchte ich dieses Mal vier Werke hervorheben. Beginnen wir zunächst mit einem Buch, welches tendenziell ein wenig zwischen den Welten steht. “Die vierzig Tage des Musa Dagh” von Franz Werfel behandelt in Romanform eine wahre historische Begebenheit und hält sich, soweit man dies heute beurteilen kann, auch sehr an den tatsächlichen Verlauf dieses Ereignisses. Die Geschichte des Romans beschreibt den verzweifelten Versuch einer kleinen armenischen Gruppe, sich gegen die drohende Vernichtung durch die Türken zur Wehr zu setzen. Ich las dieses Buch in Einstimmung auf meinen diesjährigen Erstkontakt mit Armenien und obwohl ich anfangs unsicher war, ob dieser harte Stoff wohl die beste Einstimmung auf einen Armenieinurlaub wäre und auch wenn mich diese dramatische Geschichte, welche dabei von Werfel meisterhaft erzählt wird, nachhaltig erschütterte, so kann ich dennoch festhalten: ein einzigartiges Werk der auserlesenen Güteklassse. Einmal mehr bin ich überrascht von der Vielzahl an exzellenten Schriftstellern die uns das alte Kakanien bescherte und bin fest entschlossen, demnächst noch mehr von Franz Werfel zu lesen.

Ein weiteres Meisterwerk mit historischen Hintergrund stammt mal wieder aus dem Hause Wu Ming. Ich habe an dieser Stelle ja schon oft und in den schillerndsten Farben von den jeweiligen Kreationen des italienischen Autorenkollektivs geschwärmt. Doch die aktuellste Übersetzung, die den Titel “Kriegsbeile” trägt, hat tatsächlich nochmal einmal alles übertroffen. Und das ist bei dem hohen Niveau der Wu-Ming-Bücher alles andere als leicht. Dieses Buch hat mich schlicht und einfach umgehauen. Mit dem von Wu Ming gerne angewendeten Mittel, der lose miteinander verknüpften, parallel erzählten Handlungsstränge von einzelnen Individuen, welche in den großen Zeitläuften ihr ganz eigenes, außergewöhnliches Leben leben wird auch dieses Mal wieder im ganz großen Stil gearbeitet. Das Schlaglicht fällt in diesem Buch auf die Lebenswege italienischer Partisanen, die den Tod Mussolinis nicht als den Tod des Faschismus verstanden. Beeindruckende Einzelschicksale von unglaublichen Menschen aus einer weit entfernt scheinenenden Zeit. Meine glühende Anhängerschaft den Autoren gegenüber ist in eine neue Fieberphase übergegangen – und das nächste Buch lauert schon um die Ecke.

Das nächste Highlight der Saison war nur bedingt eine Überraschung, denn dass “Qualityland” von Marc-Uwe Kling nicht zu den übelsten Publikationen gehören würde, hatte ich schon vermutet. Schließlich hatte er mit dem von ihm erschaffenen Känguru-Universum schon gewaltig vorgelegt. Diese Tetralogie gehört zweifelsohne zu den geistreichsten, originellsten und witzigsten Veröffentlichungen der letzten Zeit im deutschsprachigen Raum. Mit diesem Buch beweist er nun aber eindrucksvoll, dass er auch Romane schreiben kann. Auch ohne das Känguru gelingt es ihm in dieser “lustigen Dystopie” (erhältlich als Optimisten- und Pessimistenausgabe) ideenreich und nonchalant eine Handlung aufzubauen, die man sich in baldiger Zukunft durchaus genauso vorstellen kann und die einen merkwürdigerweise trotzdem nicht verzweifeln lässt. Für diese bewundernswerte Gratwanderung gehört ihm mein vollster Respekt.

Das letzte Buch, welches ich hier hervorheben möchte, besteht eigentlich aus drei Büchern von denen bis dato nur zwei auf deutsch erschienen sind – die Trisolaris-Trilogie von Liu Cixin. Der erste Teil, “Die drei Sonnen” war eben jenes Buch was ich der besagten Twitter-Abstimmung zum Trotz vorzog und ich sollte es nicht bereuen. Das hochgelobte und vielfach preisgekrönte Werk war für mich die erste Berührung mit chinesischer Sciene-Fiction und ich muss neidlos zugestehen, dass etwas Vergleichbares aktuell in der westlichen wie östlichen SF nicht zu finden ist. Weder die ewige Abwandlung dystopischer Konstruktionen westlicher Coleur noch die mystisch-düsteren Kreationen á la Lukianenko erwarten den Leser hier. Stattdessen taucht man ein in ein durchdachtes Konzept einer realistischen Welt von morgen ein, ohne Beschönigungen oder nationalistische Verwerfungen. Dies wird einem rational und nachvollziehbaren Szenario unterworfen, dessen Handlungsstrang über hunderte von Seiten spannend bleibt und den Zauber, der guter Science-Fiction stets innewohnt, voll entfaltet. Irritiert war ich allein von dem Schluss des zweiten Teils, da für mich die Geschichte hier komplett aufgelöst ist und ich nicht recht begreife, wozu jetzt noch der dritte Teil nötig ist. Selbstverständlich giere ich aber dennoch diesem dritten Teil voller Ungeduld entgegen.

Und das war es auch schon mit meinen Höhepunkten des Lesejahrs 2018. Der eine oder andere mag jetzt verwundert blinzeln und angesichts des Kalenderstands einwenden, dass da ja noch was kommen könnte. Doch eingedenk des Wälzers für welchen sich der geschätzte Leseclub beim letzten Mal entschieden hat, schätze ich es als realistisch ein, dass ich über diese Buch wohl erst 2019 sprechen werde.


Münzenberg 32 – Das literarische Trio: Frankenstein

Das Menü zum Buch: Mett-Man und Klo Fontähn

Am letzten Novembertag kamen wir zusammen um über einen ganz besonderen Klassiker zu sprechen: Frankenstein.

shownotes

Das nächste Buch: Der Wüstenplanet

gewinnt gegen “Wie der Stahl gehärtet wurde” und “Stern der Ungeborenen”

 

 

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Münzenberg – MZB027 – Das literarische Duo: Fahrenheit 451

Die Tage werden kürzer, die Blätter fallen sacht zu Boden, die Gedanken schwanken zwischen klarer Erkenntnis und düsterer Umwölkung. Beste Ausgangslage für einen weiteren Bücherclub. Erneut traf ich auf Feuser um mit ihm über einen Klassiker des dystopischen Genres zu plaudern – Fahrenheit 451.

 

 

 

 

 

Shownotes:

Mein Zuhause bei goodreads

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Münzenberg – MZB023 – Frisch gelesene Bücher: Die lange Erde

Nach knapp 1800 Seiten und fast so vielen Universen bin ich wieder aufgetaucht aus der “Langen Erde” und berichte kurz, knapp und begeistert von diesem Ausflug.

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Frisch gelesene Bücher: Helix

Die Bücher des Herrn Elsberg, welcher in trauter Regelmäßigkeit der Reihe nach die tönernen Säulen auf denen unsere Gesellschaft ruht, abklopft und szenarisch überprüft, wie es ohne sie aussähe, sind mir stets willkommener Lesestoff. So konnten bislang die Ideen des Autors zu eine Welt ohne Strom (“Blackout”) sowie einer Welt mit stark pervertierten Internet (“Zero”) nachvollzogen werden. Mit “Helix” widmet er sich nun einem weiteren überaus relevanten Thema und zwar der Gentechnik.

Ob es nun daran lag, dass ich von der Materie am wenigsten Ahnung habe oder war es in der Tat anfangs ein wenig langatmig und knöchern aufgezogen. So richtig mochte mich das neueste Werk nicht fesseln. Doch mit zunehmender Lesestrecke begann ich zu verstehen, dass es dieses Mal eben weniger ein spannungsgeladener Thriller war, sondern ein schlichter Roman über ein Problem, dass uns alle angeht und uns alle betreffen wird. Hier versucht Elsberg das Kunststück ein aufgeladenes Thema der Gegenwart von allen Seiten zu beäugen und abzuwägen. Schlussendlich gelingt es ihm meines Erachtens ganz annehmbar herauszuarbeiten, inwieweit hier Fluch oder Segen am wirken sind. Insbesondere das Ende wirkt gelungen, atmet dieses doch den Geist unserer versachzwangten Spezies – trocken und realistisch lauten die letzten Sätze:

Rüsten wir die US-Bevölkerung genetisch auf! Der Wettlauf hat begonnen! 

 

Frisch gelesene Bücher: Ready Player One

Es sind Bücher wie diese weshalb ich an diesem, zugegeben etwas verschrobenen Hobby namens Lesen festhalte. Gefühlte Ewigkeiten verschimmelte es in meinem “Noch-zu-Lesen-Regal”, zu lang um sich noch erinnern zu können, auf wessen Tipp es dort hin gelangt war. Der Buchrücken machte nicht sonderlich viel Lust: der gefühlt drölfundfluffzigste Roman, der sich mal wieder an der uns seit Ewigkeiten versprochenen Virtuellen Realität abmühen wollte, in Anbetracht des Titels war meine Leselust dann ein ums andere Mal erschlafft. Selten lag ich falscher.

Dieses Buch ist weit mehr als ein weiterer VR-Gamer-Aufsatz. Es ist einer der realistischsten Entwürfe unserer nahen Zukunft, jenes kaputten und übel zugerichteten Planeten auf den wir aktuell mit voller Kraft zusteuern. So schillert die hier beschriebene virtuelle Welt dann auch nur bedingt, ist sie doch nur ein schwacher Ablenkungsraum für jene zerrüttete Welt außerhalb von ihr. Sämtliche soziale, kulturelle und wirtschaftliche werden auch hier abgebildet und stellen daher auch den exzellent aufgebauten Spielraum der Handlung dar. Dieser ist über alle Maßen spannend und liest sich oftmals wie perfektes Futter für den neuen Blockbuster so er in der Traummaschine erst gehörig weichgespült wird (und siehe, der Film ist schon in Arbeit, 2017 wird Herr Spielberg das Ganze aufbereitet haben). Was das Lesevergnügen zusätzlich anfeuert, ist diese ungestüme Liebeserklärung an die 80er, die in diesem Buch steckt. Dabei geht es hier nicht nur, wie man denken könnte, um eine Hommage an die Videospiele jener Zeit, nein, es ist eine kenntnisreicher Tanz auf der Metaebene der Popkultur dieses Jahrzehnts. Ich fasse zusammen: eine realistische Dystopie, eine funkensprühende Verneigung vor der Kultur der 80er und das alles spannend und gekonnt erzählt – mehr braucht es nicht, dass ich mehrmals zu weit mit der U-Bahn gefahren bin und auch sonst immer froh über jede Verspätung war. Absolute Lesempfehlung solltet auch bei euch mal wieder das Bedürfnis nach einem guten Freund aus Papier bestehen.

Frisch gelesene Bücher: Starship Troopers

Bei meiner Reise durch die Klassiker der guten, alten Science-Fiction musste ich folgerichtig auch irgendwann einmal bei Herrn Heinlein landen. Schließlich gehört er mit Asimov und Clarke zu den “Big Three” der englischsprachigen Science-Fiction und ist damit nicht ignorierbar. Ich stolperte über das kleine Bändlein im hiesigen Antiquariat und ergriff die Gelegenheit beim Schopfe.

starship

“Starship Trooper” war mir, wie wohl den meisten, am ehesten über den Film ein Begriff und dieser hatte mir auf eine gewisse Art damals gefallen. Zwar empfand ich den Film nie als herausragendes Meisterwerk, doch zumindest als gute Unterhaltung. Die satirische Überspitzung des militaristisch-faschistoiden Realität die der Film widerspiegelt und die ihm in der Kritik erhebliche Probleme bereiteten, fand ich noch das Beste an dem ansonsten recht biederen und vorhersehbar wirkenden Streifen.

Wenn also Verhoevens Verfilmung meines Erachtens zu einem der meist missverstandenen Werke der jüngeren Kinogeschichte gehört, so kann man selbiges von der literarischen Vorlage keineswegs behaupten. Dieses Buch beschreibt nicht nur eine faschistische, das Militär verherrlichende Zukunft, hier findet sich keinerlei kritische Perspektive, kein ironischer Bruch. Natürlich kann man hier immer noch Werk und Autor versuchen zu trennen, bzw. den Versuch einer möglichst authentischen, abgekapselten Beschreibung unterstellen. Doch wenn man sich ein wenig einliest in die Person Robert A. Heinlein, beschleicht einen der Verdacht, dass nicht wenig der Weltanschauung, die in “Starship Trooper” vermittelt wird, auch Teil der Geisteshaltung des Autors ist. Blieb zu überprüfen wie es sich hiermit in anderen Büchern von Heinlein verhält. Doch der Genuss dieses Buches macht wenig Lust auf mehr.

Wobei hier weniger die problematische Gesinnung ausschlaggebend ist, sondern vielmehr erachte ich den literarischen Wert des Gelesenen als äußerst schwach. Über weite Strecken hinweg kam mir das Buch vor wie die endlosen Schwafeleien eines alten, verbitterten Mannes über seine Ansichten von Geschichte, Ethik und Moral, die er eher halbherzig mit einer Geschichte verpackte. Die Erzählstränge sind lustlos mit einander verknüpft und die Brüche in der Erzählung sind bisweilen so unvermittelt, dass man glaubt, dem Buch würden ganze Seiten fehlen. Angesichts der redundanten und strukturell erbärmlichen Erzählweise mit der man durch dieses blutarme Stück Literatur geschliffen wird, besteht man aber auch nur bedingt auf mögliche zusätzliche Seiten. Nein, ich frage mich ernsthaft, warum dieses Buch nur ansatzweise der Rede wert sein sollte. Nur eines weiß ich mit Sicherheit: Mal wieder habe ich meine knapp bemessene Lesezeit eindeutig verschwendet.

Geschrieben vonBerlin, Berlin, Germany.

Frisch gelesene Bücher: Labyrinth der Spiegel

Es gibt in der Tat problematischere Zwangsstörungen als, in gewissen Abständen zu den Büchern von Sergej Lukianenko greifen zu müssen. Seit der um die Jahrtausendwende mit den Wächter-Romanen mein Herz im Sturm eroberte, erliege ich immer mal wieder der Hoffnung derlei Spektakuläres erneut unter den neueren Werken des Meisters zu finden. Meine regelmäßigen Kritiken legen von ein beredtes Zeugnis ab. Enttäuschung wird hier zwar nie serviert, immer sind es schwungvoll entworfene Themen aus einem Bereich den ich weder Science-Fiction noch Fantasy sondern eben, ganz russisch, Phantastik nennen würde. So gesehen sind Lukianenkos Bücher dann zumindest auch immer willkommene Abwechslungen. Der Unterschied ist nicht groß, aber spürbar, angesichts des kulturellen Gleichtakts der einem aus den meisten Büchern des angelsächsischen, zentraleuropäischen Kulturraums entgegen schlägt.

labyrinth

“Labyrinth der Spiegel” stellt dabei noch in anderer Hinsicht eine Abwechslung dar. Das Buch demonstriert auf unfreiwillig komische Art die rasante Entwicklung der digitalen Revolution. Lukianenko skizziert in seinem, aus dem Jahr 2009 stammenden Roman, eine virtuelle Realität, wie wir sie zwar leider immer noch nicht erreicht haben, doch die Instrumente und Begleitumstände, wirken enorm wirklichkeitsfremd. Auch wenn die virtuelle Welt hier dank eines Tricks erreicht wird, der Autor also geschickt die technischen Fallstricke, die ein solches Szenario in sich birgt, umgeht, sträubt sich in mir alles wenn ich ertragen muss, dass der Protagonist sich mit Windows Home über sein Modem einwählt. Auch wenn im Kielwasser solcher Erwägungen folgende aufreizende Stilblüten entstehen:

Wer benutzt denn heute noch einen Mac? Es hat Menschen und Neandertaler gegeben, dann kamen IBM und Apple. Morsche Zweige sind nicht lebensfähig.

Zweifelsohne handelt es sich hier nicht um seinen besten Wurf, doch abseits der perspektivischen Fehlkalkulationen und des gerüttelt Maß an dumpfen russischen Nationalismus à la “Dafür dass er durch und durch Amerikaner war, war er ganz in Ordnung” gibt es auch in diesem Buch gelegentlich hellere Momente mit denen ich bislang noch in jedem Lukanienko-Buch belohnt wurden bin. So stolperte ich richtiggehend über erfrischende Inspirationen zu den Konsequenzen die eine Künstliche Intelligenz für die menschliche Evolution mit sich bringen könnte oder die Frage warum die Stoßrichtung jeglicher Virtualität immer eskapistische Tendenzen tragen muss.

Alles in allem also ein durchschnittlich guter Lukianenko. Für Kenner der Materie durchaus auslassbare Lektüre und für Einsteiger gibt es weitaus Besseres (s. oben).

Frisch gelesene Bücher: Die Out-Trilogie

Und mal wieder ein Buch über die digitale Weltverschwörung. Ein Buch?! Nein, Herr Eschbach benötigt ganze drei Bücher um sein Szenario ausreichend zu auszubreiten.Worum gehts? Chips, welche an unser Hirn andocken und dann mittels 3G miteinander kommunizieren. Auf diese Weise bildet sich flugs das aus Funk, Fernsehen und Literatur allseits bekannte, eiskalte Borg-Kollektiv. Dazu eine kleine, unbeugsame Widerstandsgruppe, ein genialer alles checkender Hacker – der aktuell nicht wegdenkbare Magier der Moderne – eine wenig Herzschmerz und als besondere Garnierung etwas Indianerphilosophie und fertig ist der Tech-Thriller. So gut, so konventionell.

out

Wahrhaft begeistert klinge ich nicht, doch zum Weglegen hat es auch nicht gereicht. Es handelt sich hierbei wohl um so etwas wie grundsolides Mittelmaß, gut abgehangener Science-Schinken. Was soll man da tun, außer den Riemen runterlesen?! Es sei hierbei nicht unerwähnt, dass es sich um eine Jugendbuchreihe handelt. Und diesbezüglich sei wohl so manche Erklärbär-Attacke entschuldigt. Eschbach rollt die Thematik mit Engelsruhe und mit überaus verständlichen Worten auf. Und auch wenn ich von der Geschichte alles andere als begeistert bin, und auch die hier an den Tag gelegte Sprache mich eher störte denn betörte, so muss ich zugestehen, dass die technische Faktenlage und logische Stringenz, außer ein paar ganz üblen Schnitzern (2009, zum Zeitpunkt des Erscheinungstermins dieser Trilogie befanden sich schon ein paar Root-Server außerhalb des Territoriums der USA; Stichwort Anycast!), überraschend sattelfest daherkommt.

Ein durchschnittlicher Schmöker der sich schnell durchlesen lässt und bei geringer Anspruchshaltung sogar positiv zu überraschen weiß. Speziell die Auflösung der ganzen Geschichte hätte ich so nicht erwartet und ließ mich nach knapp anderthalb Tausend Seiten relativ versöhnt das Buch zuschlagen.

Ach, und eine Kritik sei noch gestattet: Liebe Damen und Herren Verleger, welchen tiefsinnigen Grund hat es wohl, dass ihr es unterlassen habt, bei einer Trilogie Nummern oder sonstige Markierungen für die Lesereihenfolge anzubringen? Nicht schön sowas.

Frisch gelesene Bücher: Sonnentaucher

Endlich mal wieder richtige Science-Fiction, Hard-SF wie der Fachmann es nennt. David Brins “Sonnentaucher” ist ein astreines Stück Zukunftsliteratur, und zwar eines von der besseren Sorte.

Sonnentaucher von David Brin

 

Der Plot ist folgender: Nachdem man erfolgreich Kontakt mit außerirdischen Zivilisationen hergestellt hat, ist die Verwunderung bei eben jenen “Eaties” groß, denn die Menschheit scheint offensichtlich ohne Einfluss einer Patronatskultur soweit gekommen zu sein. Dies ist ungewöhnlich denn sonst ist der Werdegang ein anderer um Mitglied der galaktischen Intelligenzen zu werden. Potentielle Kandidaten werden von weiterentwickelten Rassen eines “Uplifts” unterworfen, mit dem sie dann das Rüstzeug haben, um auf Augenhöhe mitzuspielen. Dieses Patronats- und Klientverhältnis spiegelt die natürliche Ordnung im Universum wieder. Die “Wölflingsrasse” Menschheit steht nun im vollem Kontrast zu diesem Konzept. Selbstverständlich führt dies auch zu Konflikten unter den Menschen. Die “Neolithiker”, welche an eine eigenständige Entwicklung des Menschen glauben und die Dänikenisten, welche den Einfluss einer, nur noch nicht identifizierten, extraterrestrischen Rasse als wahrscheinlicher erachten. Ein über alle Maßen reizvolles und ausbaufähiges Szenario, in dessen Rahmen die Reise zur Sonne führt, wo die “Uplifter” der Menschheit vermutet werden.

Mehr möchte ich an dieser Stelle lieber nicht verraten. Mir bleibt nur zu sagen, dass dieses Buch meine absolute Lektüreempfehlung hat. Ein Hinweis sei jedoch gestattet: Wer sich hierauf einlässt, sollte wissen, dass es sich hier (mal wieder) nur um den Anfang einer längeren Geschichte handelt. Der “Uplift-Zyklus” umfasst noch weitere zwei Bände und ich vermute, dass die meisten, die das Ende des ersten Teils genossen haben, nach diesem offenen Ende Gier auf mehr verspüren.