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Nun also Singapur. Land 40 dieser Reise und mein 70. Land, dazu Allzeit-Südlicheitsrekord (1°16’N) und Asienende (mal wieder). Dennoch schlichen sich bereits bei der Einreise sanfte Zweifel ein ob das so eine gute Entscheidung gewesen war. Schließlich war es dann doch nur eine weitere Stadt. Zwar eine wie aus dem Verbotsschilderbuch und noch dazu wunderbar teuer, aber Geld ist halt auch nicht alles. Wären ein paar chillige Tage am Strand nicht die bessere Entscheidung gewesen?! Auch angesichts der kommenden, sehr meerarmen Rückreise.




Doch dann trumpfte Singapur auf. Der hiesige botanische Garten gilt als einer der größten , ältesten und meistbesuchten. Es ist der einzige Botanische Garten, der als Weltkulturerbestätte aufgenommen wurde. Primärregenwald, Warane, mächtige Bäume und Urwaldgeschrei mitten in der Stadt und das für umme in diesem kostspieligen Paradies. Und dann wäre da noch die Metro, bzw. das Standards setzende, älteste und streckenlängste Schnellverkehrssystem Südostasiens. Auch dieses sehr preiswert (das war es dann aber wirklich, was in Singapur billig ist) intuitiv verständlich und mit verschiedenen brandheißen, technischen Neuerungen gespickt, bspw. ein komplett fahrerloses Netzwerk oder pneumatische Türen, die per Druckausgleich oder wie auch immer die Stationen klimatisieren. Science-Fiction pur, Singapur.






Doch es wurde noch besser, denn schlussendlich besuchten wir die „Gardens by the Bay„. Hierbei handelt sich nicht einfach um die drölfzigste Kunstinstallation aus der Instagold-Schublade sondern um ein ebenso cleveres wie wunderschönes, lebendiges System aus vertikalen Gärten, Bio-Kraftwerken, Wasser- und Sonnenkollektoren. Man kann also neben ein Bankenviertel tatsächlich etwas anderes bauen als noch mehr feiste Businesstempel, geschmacklose Hotelanlagen, garniert mit reichlich Parkplätzen?! Nicht zu glauben! Umweltfreundlichkeit vereint mit ästhetischer Brillanz – Vernunft küsst Entzücken – ich habe auf dieser Reise so einige Vorschläge für die Zukunft gesehen, doch dieser hier gefiel mir eindeutig am Besten.
Und noch ein Glanzstück dieses ökologischen Wunderlands mussten wir uns unbedingt geben. Der „Cloud Forest Dome“ – ein riesiges Gewächshaus und so etwas wie das Herzstück der gesamten Anlage. Ein Großteil des Regenwassers wird gesammelt, so auch das Wasser für den spektakulären Wasserfall. Dieser ist mit einer Höhe von 35 Metern natürlich der höchste Indoor-Wasserfall der Welt und erzeugt ein angenehm kühles, nebliges Ökosystem, das dem eines tropischen Nebelwaldes ähnelt. Wunderbar und einzigartig wie man hier in spiralförmigen Gängen die Evolution der Pflanzen miterleben kann und dann begreift, dass das Publikum nur bei den dauerröhrenden Plastiksauriern des Jurassic-Park-Franchises kurzzeitig Aufmerksamkeit generieren kann. So lag in Singapur, wie so oft Entzücken und Enttäuschung nah beieinander.






Denn wenn ich einerseits durch diese sinnvoll und effizient eingerichte grüne Insel der Grünseligen wandele und mit offenem Mund bestaune, was möglich ist und wie weit wir als Menschheit schon sind. Wenn ich also Hoffnung schöpfe und nach all den fürchterlichen Zukunftsszenarien, die ich auf dem Weg durch drei Kontinente erleben durfte, ein wenig euphorisiert mich der verschütt geglaubten Kraft des Optimismus hingebe, dann fällt mir natürlich schnell auf, dass diese Inseln der Vernunft meist nur dort existieren, wo das Kapital nicht nur die üblichen unanständigen Profite einfährt, sondern nachgerade perverse Gewinne. Sprich, nur dort wo der erzeugte Mehrwert dauerhaft wahrlich astronomische Dimensionen erreicht, fühlt sich die herrschende Klasse offenbar bemüßigt, mehr als üblich vom Zusammengerafften abzugeben und damit Realitäten zu fördern, die ein menschenwürdiges, auf Ausgleich bedachtes Gemeinwesen erschaffen können. Toll. Wirklich toll, denke ich mir dann. Es ist also möglich. Wir sind so weit und könnten es uns so entspannt einrichten auf diesem Planeten. Technisch wäre es möglich wie ich hier mit eigenen Augen und allen Sinnen erfahre. Doch dann schaue ich kurz in die Nachrichten und muss zur Kenntnis nehmen, dass wir den Gürtel demnächst enger schnallen müssen und viel härter und länger arbeiten sollen um uns dieses Elend zu verdienen. Währenddessen gönnen sich Aufsichtsräte ein paar Extraboni, lachen Milliardäre über Steuern und erhöhen die Volksvertreter sich ihre Diäten. Von der allerorten ressourcenverbrutzelnden Idiotie namens Krieg ganz zu schweigen.






Was nehme ich also mit aus Singapur?! Einen revitalisierten Optimismus und das Wissen, dass eine bessere, angenehme Zukunft für alle möglich ist. Punkt.
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