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Man lernt mit so einer Reise ja bei weitem nicht nur neue Wörter kennen, sondern bisweilen auch Zahlen. So erfuhren wir in der Mongolei, mit Eintritt in die buddhistische Einflusssphäre, dass die 108 eine überaus besondere Zahl sei. Denn es gäbe exakt 108 weltlichen Begierden (oder auch „Defilements“, kleśas im Buddhismus) Natürlich darf man sich diese nicht wie einen exakt definierten Katalog an Sünden vorstellen, schließlich geht es hier um Religion. Man spricht in knallhart aufklärender Art von mentalen Verunreinigungen, die uns im Kreislauf des Leidens (Saṃsāra) gefangen halten würden. So banal wie handelsüblich im religiösen Sinne, aber wie verdammt nochmal kommen sie denn nun auf 108? Nichts einfacher als das.
Eine verbreitete Erklärung rechnet die 108 Begierden folgendermaßen her:
1. Sechs Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, Geist
2. Multipliziert mit drei Zeitqualitäten: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft → 18
3. Mal zwei Intentionen: gute Absicht vs. schädliche Absicht → 36
4. Mal drei Handlungshaltungen: mögen (likes), nicht mögen (dislikes), Gleichgültigkeit → 108
Noch Fragen?! Oh, ich hätte da so einige, aber ich habe mittlerweile begriffen, dass Religionen hinsichtlich Rück- und Nachfragen etwas irritiert bis verschnupft reagieren. Das Kerngeschäft ist nun mal glauben und nicht denken. Schade drum, denn den Ansatz finde ich ja irrsinnig spannend und mir sogar sehr naheliegend. Eine interessante Aufgabe für meinen nächsten Klosteraufenthalt wäre wohl für alle 108 gültige Präzedenzfälle zu finden. Beispiel: Ich rieche mit guter Absicht in der Zukunft etwas, was mir gleichgültig ist.

Dem mongolischen Buddhismus zufolge konzentriert sich an einem Ort mitten in der Wüste Gobi die stärkste spirituelle Energie der Welt. Um diesen Ort zu markieren, wurde im 19. Jahrhundert der Klosterkomplex Chamriin Chiid errichtet.
Das ursprüngliche Kloster Chamriin Chiid wurde 1820 von Danzanravjaa, dem Schrecklichen Edlen Heiligen der Gobi, gegründet, der die enorme Energie dieses Ortes beobachtete. In seiner Blütezeit beherbergte das Kloster dann bis zu 500 Mönche und umfasste mehr als 80 Tempel innerhalb des Komplexes. Tscha, nun, was soll man dazu noch weiter sagen? Wir verbrachten ganze drei Tage mitten auf auf diesem „Weltenergiezentrum“ und ich war selten so müde wie hier.

Wir bleiben beim Buddhismus, oh ja, und wenn ich unsere Reiseroute so anschaue dann wird das noch länger Thema bleiben. Immer wieder fiel uns an den verschiedensten Orten in der Mongolei ein Motiv ins Auge auf dem man vier Tiere sieht, die analog zu den Bremer Stadtmusikanten aufeinander stehen. Nur handelt es sich hier um einen Elefanten, einen Affen, einen Hasen und einen Vogel. Trotzdem warem es vier, oben thront ein gefiedertes Wesen. Könnte also auch ein Hahn sein. War ich hier eventuell erneut einem Beispiel für kulturelle Übertragung auf die Schliche gekommen? Hatten die Gebrüder Grimm gar im Fernen Osten gespickt?!



Mit viel Mühe finde ich heraus, dass es sich hier um die vier harmonischen Freunde (མཐུན་པ་སྤུན་བཞི།) handelte. Sie entstammen der Jātaka, einer moralisch lehrreichen Geschichte in Form einer Erzählung aus dem Leben des Buddha. Speziell im tibetischen Buddhismus sind diese vier Tiere eines der häufigsten Motive. Man darf dabei nicht vergessen, dass wir in der Mongolei eben jener, tibetischen Spielart des Buddhismus unterworfen waren, und in dieser spielt sie eine gewaltige Rolle und taucht immer wieder und überall auf. Ob auf Tempelwandbildern, Stupas oder auch ganz banalen Alltagsgegenständen.
Die Botschaft ist recht eindeutig: Jedes Wesen hat eigene Stärken und Schwächen. Erst wenn man diese vereint und einander mit Respekt begegnet, kann man erreichen, was allein unmöglich wäre. Ein Klassiker des gepflegten Miteinanders. Die ausführliche Version gänge beispielsweise folgendermaßen: Ein Fasan pflanzt einen Baum. Solange er klein ist, kann er von seinen Früchten leben. Doch je höher der Baum wächst, desto schwerer wird es für den flugunfähigen Fasan, an Nahrung zu gelangen. Da erscheint das Kaninchen: Es bewässert den Baum, frisst, was auf den Boden fällt, und trägt den Fasan auf seinem Rücken, damit dieser die tieferen Früchte erreicht. Doch bald wächst der Baum über beide hinaus. Der Affe hilft weiter: Er düngt den Baum, klettert an ihm empor und wirft den anderen Früchte hinab. Doch auch er kommt nicht bis ganz nach oben. Schließlich tritt der Elefant hinzu. Er beschützt den Baum und trägt die drei anderen auf seinem Rücken. Gemeinsam erreichen sie nun selbst die höchsten Früchte – genug Nahrung für alle.
Eine der möglichen Bezeichnungen für Ausländer im Chinesischen lautet Lao Wai (老外), das bedeutet wortwörtlich „der Alte von draußen“ und damit fühle ich mich wirklich bestens und ausreichend beschrieben.
Immer auf der Suche nach neuen Getränken, die Zunge und Seele betören, stieß ich in Südkorea auf Makgeolli. Die milchig-trübe Angelegenheit wirkt auf den ersten Eindruck nicht sonderlich aufregend, doch schon nach dem ersten Test war ich angetan. Bei Makgeolli handelt es sich um einen traditionellen, koreanischen Reiswein, der durch Fermentation von Reis mit Nuruk (einem Fermentationsstarter) hergestellt wird. Mit Geschmack ist das natürlich so eine Sache, dennoch spreche ich für dieses Getränk eine offizielle Empfehlung aus.

Kommen wir nun zum obligatorischen Bestandteil dieser kleinen Wissenssparte – Spaß mit Flaggen – dieses Mal die südkoreanische Visitenkarte. Sie heißt Taegeukgi und die grundlegenden Elemente sollten klar sein: Der weiße Hintergrund steht natürlich für nichts anderes als für Reinheit und Frieden. Auch der zentrale rot-blaue Kreis sollte halbwegs nachvollziehbar sein. Irgendwas mit Ying-Yang halt, oder etwas länderspezifischer, das Zusammenspiel von positiven (Yang, rot) und negativen (Eum, blau) kosmischen Kräften wie Himmel und Erde, Licht und Dunkelheit.

Doch der wirklich spannende Punkt sind natürlich diese unverständlichen, vier schwarzen Symbole, die um den zweiteiligen Kreis schwirren. Es handelt sich hierbei genaugenommen um Trigramme, welche aus dem I-Ging stammen und für folgende Elemente stehen: Himmel, Erde, Wasser und Feuer. Bliebe nur noch die Frage, was steht für was?

Wir waren noch nicht lang in Südkorea, surften mit Hochgenuss auf den besten Radwegen der Welt durch die herbstliche Landschaft, da hieß es auf einmal es wäre „Gaecheonjeol“, ein Feiertag im sonst emsig schuftenden Tigerstaat. Wir schauten auf die Uhr und bemerkten beruhigt, klar, 3. Oktober. Natürlich feiert man hier in Südkorea den Tag der Staatsgründung und leitet damit eine furiose Feierwoche mit zwei anderen Feiertagen ein, die Golden Week. Diese Staatsgründung bezieht sich übrigens auf ein Datum im Jahre 2333 v. Chr. Ich hatte von der koreanischen Geschichte zuvor nicht viel gewusst, aber das ließ mich aufmerken und nachforschen, was denn da vor knapp viereinhalbtausend Jahren geschehen ist.

Hier wäre dann also die, sich streng an die historischen Fakten haltende Version: Himmelskönig Hwanin (환인). Sein Sohn, Hwanung (환웅), sehnte sich danach, unter den Menschen zu leben und sie anzuführen. Mit dem Segen seines Vaters und der Begleitung von 3000 Gesandten stieg er auf den Berg Baekdu herab und gründete dort die Stadt Shinshi (신시 – „Göttliche Stadt“). Als Herrscher war Hwanung übrigens auch für Wind, Regen und Wolken verantwortlich. Jetzt kommen einfach mal so ein ein Tiger und ein Bär oms Spiel, die sich beide auch nichts besseres vorstellen konnten als menschlich zu sein Daher Bitte an Hwanung, der stellte ihnen eine sehr merkwürdige Aufgabe: Sie sollten für 100 Tage in einer Höhle bleiben und sich nur von Beifuß und Knoblauch ernähren. Klar, der Tiger gab schon nach etwa 20 Tagen auf, aber der Bär blieb standhaft und wurde zur Belohnung, na?!

Sonnenklar, in eine wunderschöne Frau verwandelt. Und wie das mit Frauen so ist, mit der Zeit sehnte sie nach Gesellschaft und bat Hwanung um einen Sohn. Hwanung, gerührt von ihrer Entschlossenheit und Reinheit des Herzens, wurde selbst ein Mensch und nahm sie zur Frau. Gemeinsam bekamen sie einen Sohn, namens Dangun (단군). Warum dieser wiederum nichts anderes vorhatte als das erste Koreanische Königreich (Gojoseon) zu erschaffen, darüber schweigen sich die meisten Dokumentationen zum Thema leider aus.
Wir bleiben in Südkorea und draußen. Die Geschichte wie durch „Baumpflege“ einmal fast der Dritte Weltkrieg ausgelöst wurde, kannte ich schon dank des fabelhaften Geschichtspodcasts „Geschichte aus der Geschichte“.
Im August 1976 griffen nordkoreanische Soldaten eine Gruppe von Amerikanern und Südkoreanern an, die eine Pappel an der schwer bewachten Demarkationslinie zwischen den beiden Koreas beschnitten. Zwei US-Offiziere wurden dabei getötet (und zwar nicht irgendwie, sondern mit Macheten niedergemetzelt, wie ich im Nachhinein erfuhr). Nach dreitägigen Beratungen, die bis ins Weiße Haus reichten, beschlossen die USA, mit einer gewaltigen Machtdemonstration zu reagieren. Hunderte von U.S. Soldaten – unterstützt von Hubschraubern, B52-Bombern und einem Flugzeugträger-Einsatzkommando – wurden mobilisiert, um die Pappel zu fällen. Eine wirklich irre Geschichte, die den entspannten Beruf des Baumkontrolleurs in einem ganz neuen, gefährlich flackernden Licht erscheinen lässt.
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