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Was gäbe es nicht alles an bemerkenswerten Wissenssplittern zusammenzukehren! Was haben wir schließlich in diesem Land gerätselt, geraten und gelacht. Doch leider können hier nur gelüftete Geheimnisse präsentiert werden und so bleibt vieles auf der Strecke oder fürs nächste Mal auf Halde. Dennoch ist hier ein proppevolles Füllhorn an abseitigen und unerwarteten Erkenntnissen zusammengekommen.

Auch in Japan gab es mal wieder ein wenig Buddha. Aber natürlich nicht irgendeinen, sondern den größten, liegenden Buddha (kurz bevor er ins Nirvana eintritt) – 41 Meter lang und 11 Meter hoch. Mit einem sagenhaften Gewicht von 300 Tonnen ist es außerdem eine der größten Bronzestatuen der Welt. Wobei die unwiderstehliche Frage wäre, wo denn die größte Bronzestatue steht? Selbstverständlich auch in Japan. Und zwar Ushiku Daibutsu, eine 120 Meter hohe Statue des Amitabha Buddha, dieses Mal aber stehend.

Wenn man nur sacht die Fühler ausstreckt in Richtung anderer Buddharekorde, merkt man schnell was für ein durchgeknalltes Business dieses Religiondings sein kann. Was gibt es da nicht alles für aufmerksamkeitsheischende Rekorde! Es gäbe da die größte Statue aus Stein (71m, Leshan, China – kommt später noch…), Bronze-Statue mit der höchsten Lage in Asien (3.075 Meter über dem Meeresspiegel), wertvollster Buddha (Wat Trai, Bangkok, 5,5 Tonnen Gold) oder auch die größte Buddhasammlung (Buddha-Museum, Traben-Trarbach).
Wenn ich hier kurz fallen lasse, dass das elektronische Gerät, mit dem nahezu jedes moderne japanische Klo ausgestattet ist, Otohime getauft wurden, welches in der japanischen Mythologie als die „Geräuschprinzessin“ bekannt ist, müsste ich dem eigentlich nicht allzu viel hinzufügen. Beziehungsweise, was, verdammt nochmal ist denn bitte eine „Geräuschprinzessin“?! Wie so oft enttarnt eine eingehendere Recherche, dass was gut klingt, meist in Wirklichkeit gar nicht so toll ist. Ich fand jedenfalls nichts Besonderes heraus. Eine ganz gewöhnliche, dahergelaufene Prinzessin mit dem üblichen Herzschmerz-Verlassmichnicht-Komplex:
Otohime (Prinzessin Oto) ist eine zentrale Figur in der japanischen Mythologie, besonders bekannt aus dem Märchen von Urashima Tarō, der die Geschichte des Fischers erzählt, der das Meer besucht und in den Drachenpalast (Ryūgū-jō) unter dem Meer hinabsteigt, wo er Otohime, die Tochter des Meereskönigs Watatsumi, heiratet. Sie ist eine wunderschöne Prinzessin, die mit dem Fischer eine Zeit verbringt, bevor er Heimweh bekommt und zurückkehrt, und ist eine Vorfahrin des ersten Kaisers Jinmu.

Kommen wir nun zu Nengō, einem Aspekt der japanischen Zeitrechnung. Genau, Kalender und Zeitrechnung, quasi Flaggenkunde für den pünktlichen Nerd. Bei Nengō handelt es sich, wie bei so vielen Dingen in Japan, um eine etwas aus der Mode gekommene Marotte, die man aber hier auf diesen Inseln voller Behagen und liebenswerter Vergangenheitsverliebtheit am Leben erhält. Es handelt sich hierbei im weitesten Sinne um so etwas wie eine „Devise“ oder einen „Leitspruch“. Daraus hat sich in Japan schließlich ein komplettes kalendarisches Schema entwickelt. Seinen Ursprung hat es natürlich in China. Dort vertraut man derzeit mehr auf Fünf-Jahrpläne und ist nicht mehr angewiesen auf so dergleichen Firlefanz. Doch in den alten Tagen war diese Praxis in ganz Ostasien, einschließlich Vietnams verbreitet. Doch das ist lange her, heute gibt es nur noch in Japan Taiwan eine solche Sloganisierrung von Zeiträumen. Seit dem 1. Mai 2019 befinden wir uns übrigens in der Reiwa-Zeit (令和 offiziell verwendete deutsche Übersetzung: „schöne Harmonie“), diese Der Reiwa-Zeit ging der Heisei-Zeit (平成 „Frieden innen und außen, im Himmel und auf der Erde“ bzw. kurz „Frieden überall“) voraus. Diese beiden Zeiten wurden jeweils initiiert durch den Amtsantritt des jeweiligen Tennos angeregt. Hierbei handelt es sich dann auch im wahrsten Sinne um so etwas wie Regierungsmottos. Obwohl ein neuer Tenno in der Regel immer eine neue Äranamen auslöst, ist es bei weitem nicht der einzige Grund. So können neue Nengōs auch durch folgende Ereignisse aktiviert werden: Erinnerung an ein besonders glückliches Ereignis; Unglücksfälle, z. B. Naturkatastrophen, die man durch einen Wechsel der Devise zu beenden hoffte sowie besonders verheißungsvolle Jahre des traditionellen 60-Jahre-Zyklus , nämlich das 1., das 5. und das 58. Jahr des Zyklus. Seit 645 macht man das schon und so hat sich einiges angesammelt. Ganze 248 sind es bisher. Trotzdem benötigt man für ihre Darstellung nur 72 Kanji, von denen dreißig nur einmal in Gebrauch waren, während die übrigen immer wieder neu kombiniert wurden. Und das ist dann genau der Punkt wo ich kapituliere.
Irgendwo in Japan stolperte ich bei meinen zaghaften Versuchen, mich mit der lokalen Religion, dem Shintoismus vertraut zu machen über die irre Angabe von acht Millionen Shintogöttern. Zunächst war ich entsetzt, wie sollte man denn da nur halbwegs den Überblick behalten? Doch dann vermutete ich einen gewieften Schachzug zu einer Zeit als Japan vielleicht in etwa acht Millionen Einwohner hatte von acht Millionen Göttern auszugehen. Sehr smarte und liebenswerte Herangehensweise. Doch so schön war es dann leider doch nicht.

Mit den acht Millionen Shintogöttern (Yaoyorozu no Kami) ist eine japanische Redewendung im Shintō gemeint, die nicht wörtlich eine genaue Zahl meint, sondern die unermessliche, unzählbare Vielzahl an Gottheiten (Kami) beschreibt, die in Natur, Menschen und übernatürlichen Wesen verehrt werden.
Während eines Tagesausflugs nach Nagasaki stolperten wir über die zweifellos aufsehenerregendste Sehenswürdigkeit der Stadt, die wohl einzige Kirche, auf der ein gigantisches Weltraumhuhn mit Köpper gelandet ist und zu Stein erstarrte. Leider erwies sich die Sache mit den Hühnerbeinen als Tagtraum. Zu verantworten hat diese architektonische Absonderlichkeit ein gewisser Kenji Imai. Ich stolperte noch einmal über ein Werk dieses verdrehten Geistes,welcher auch als japanischer Gaudi bezeichnet wird. In einer schattigen Nebenstraße in der Nähe der Burg Osakas fiel mein Blick auf ein kunterbuntes Mosaik, und siehe, Kenji Imai hatte seine Spuren hinterlassen. Dieses Mal mit einem aberwitzig funkelnden Webstuhl, der an Osakas Textilerbe erinnern sollte. Das Manchester Asiens. Und damit hätten wir auch wieder erfolgreich einen schrägen Städtevergleich untergebracht.


Und zum Abschluss noch die Erklärung des Titelbilds. Warum ziert denn da das Wahrzeichen Dresdens ein Japan-Spezial murrt der eine oder andere Wissensgourmet wahrscheinlich schon die gesamte Lektüre über. Der erboste Leser mag es mir verzeihen, doch dieser Spannungsbogen erscheint mir gerechtfertigt, handelt es sich hierbei doch wahrscheinlich um eine wenn nicht die größte Überraschung der gesamten Reise.
Ich ahnte nichts als wir von einem Arbeitsort zum anderen kutschiert wurden. Wir hatten knapp zwei Wochen auf einer Schweinefarm ausgeholfen, nun war es Zeit wenige Kilometer weiter, auf einen Gemüsebauernhof zu arbeiten. Arita hieß die nahegelegene Kleinstadt und kaum angekommen wurden wir in die Sehenswürdigkeit am Rande der Stadt entführt. Der Porzellan-Park ist ein Themenpark der einerseits auf die Tradition der lokalen Porzellanproduktion anspielt, aber auch aufgrund einer, seit 1981 bestehenden Städtepartnerschaft mit Meißen die Porzellankünste Deutschlands würdigt. Übrigens die älteste Städtepartnerschaft zwischen einer ostdeutschen und einer japanischen Stadt. Als man mir auf der Fahrt dorthin offenbarte, dass ich hier einen Nachbau des Zwingers erblicken durfte, erwartete ich eine maßstabsgetreue Replik im Modellbauformat, doch dann stand ich davor und war einfach nur baff. Wortlos und ergriffen von dem Moment und diesem unfassbaren Zufall.

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