Analog zu meiner kleinen Anleitung vom Mai 2025 gibt es hier noch ein winziges Update zur Gegenrichtung. Im Endeffekt gleicht sich das Prozedere zwar sehr, Ticketkauf und Schiffsbeobachtung folgen den gleichen Mustern, denn natürlich gibt es auch hier keinen festen Fahrplan, sondern die Schiffe kommen und fahren wenn sie voll sind. Doch ein paar Dinge sind entscheidend anders und es sollte nachfolgenden Reisenden das Leben erheblich erleichtern, wenn man sie hiervon vorher wissen lässt.



Im Gegensatz zu Aserbaidschan ist das Fährbüro erst ab 8:30 geöffnet. Wir kamen 20 Uhr an und nichts war mehr möglich, denn das gekaufte Ticket musste ja von irgendwem in ein richtiges Ticket umgewandelt werden. So mussten wir hilflos zuschauen wie unser avisiertes Schiff ohne uns abfuhr.
Mein Tipp daher: Wenn man mit dem Rad von Aktau kommt, sollte man in Kuryk übernachten (es gibt da einen herrlichen, ruhigen Park mit Meerblick) und erst am Morgen zum Hafen fahren.
Alternativ könnte man natürlich auch vorher das Ticketbüro in Aktau mit den Absichten einer geplanten Überfahrt konfrontieren. Genau genommen taten wir schließlich genau das. Nur halt vom Hafen aus. Wenn man dies tagsüber macht, kann man wahrscheinlich sogar davon ausgehen, dass man nachts reingelassen wird und nachts abfahrende Fähren nehmen kann. Es gibt eine Seite mit Kontaktinformationen, wir kommunizierten aber ausschließlich über diese Telefonnummer +7 707 292 9955 (Englisch ist möglich).




Der Rest verlief dann überraschend problemlos. Dafür, dass wir, wie uns hier mehrfach vermittelt wurde, die ersten Touristen seit der aserbaidschanischen Grenzschließung vor fünf Jahren wären. Nachdem wir den Code für die Sondergenehmigung des aserbaidschanischen Kabinetts der Minister, unser Visum für Aserbaidschan und das Ticket der Fährgesellschaft zeigten, versicherte man uns, dass das nächste Schiff unser sei. Dieses ließ natürlich etwas auf sich warten. Doch knappe 25 Stunden nach unserer Ankunft am Hafen durften wir diesen auch betreten. Hier aßen wir in einer Kantine ein letztes Mal all die zentralasiatischen Spezialitäten und dann ging es nach einem Ausreisestempel ohne jedwede Taschenkontrolle aufs Schiff (es gibt hier auch einen Bankomaten und die Möglichkeit, ein Ticket ohne Onlinereservierung zu erwerben)






Man hatte uns zuvor zaghaft gefragt ob wir mit diesem Schiff („Professor Gül“) wirklich fahren wollten. Es wäre „ein wenig alt“. Das nächste, die „Zafira Aliyeva“ wäre neuer und dementsprechend deutlich besser. Wir kannten dieses Schiff noch von der Hinreise und konnten das bestätigen. Doch wir dachten uns: Wie schlimm kann es schon sein?! (Und tatsächlich hätten wir noch weit über fünf Tage auf dieses bessere Schiff warten müssen!) Doch als wir den Kahn schließlich nach über einem Tag des Wartens freudetrunken betraten, fiel uns sie Kinnlade hinunter. Ein Geisterschiff! Wir hatten ja schon einiges an heruntergekommenen, gammligen Fährschiffen erlebt, aber das hier schlug definitiv alles bisher Dagewesene.
Also ein weiterer kleiner Tipp für beide Fahrtrichtungen: Wenn ihr euch ans Schiffe beobachten macht, versucht die „Professor Gül“ geflissentlich zu ignorieren.
Ansonsten der gleiche, wie im Geschwisterartikel beschriebene Alltag an Bord. Wir bekamen am Gangende eine räudige Kabine für zwei Personen zugewiesen, es gibt drei Mahlzeiten am Tag, Achtung: Es gilt aserbaidschanische Zeit! 7:30-8:00; 11:30-12; 19:30-20). Es gibt eine Art Gemeinschaftsraum mit Keksen und Tee, ja, und das war es eigentlich auch schon.
- Kurzanleitung: Mit dem Schiff von Aserbaidschan nach Kasachstan
- Wie man eine geschlossene Grenze überquert – auf dem Landweg von Georgien nach Aserbaidschan
- Ticketbuchung
- „Fahrplan“ der Schiffe
- А вы откуда? Mit dem Rad durch Aserbaidschan
Im Gegensatz zur Landgrenze kam bei der Wassergrenze nach erfolgreicher Schiffskaperung noch ein anderer Faktor ins Spiel. In der Nacht vom 1. zum 2. Oktober betraten wir die „Professor Gül“, knapp 100km fuhren wir an der kasachischen Küste entlang bis wir in einer Bucht kurz vor Turkmenistan ankerten. Und uns nicht mehr weiterbewegten. Bis zum 4. Oktober bewegten wir uns nicht vom Fleck. So wurde aus einer 20stündigen Kaspisee-Überquerung mal flugs eine 80stündige Kreuzfahrt mit Vollpension und Truckeranimationen.
Neben Schiffsbeobachtung im Vorfeld gehört also auch die Wetterbeobachtung zum elementaren Planungsarsenal für eine geschmeidige Wassergrenzenüberquerung.
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